Affiliate-Marketing als Geschäftsmodell wird von vielen Bloggern und Content Creators derzeit als "tot" bezeichnet, weil ihnen die KI-Zusammenfassungen und -Chats den Traffic-Hahn abdrehen. Gleichzeitig setzen immer mehr Unternehmen auf Partnerprogramme.

Deshalb habe ich mir das Business Model einmal genauer für Dich angeschaut, um Dir zu zeigen, wann und wie es auch 2026 noch für Dich als Solopreneur funktionieren kann.

Grundidee von Affiliate als Geschäftsmodell

Die Grundidee des Affiliate-Geschäftsmodells ist, dass Du Werbung für Produkte oder Dienstleistungen von Partnern machst. Deshalb spricht man oft auch von Affiliate-Marketing.

In der Praxis funktioniert Affiliate-Marketing so, dass Du einen Vertrag mit einem Merchant schließt. Der Merchant ist das Unternehmen, das die Ware oder Dienstleistung anbietet und verkauft (und oft auch das Affiliate-Programm bereitstellt).

Du selbst fungierst dann als sogenannter Publisher bzw. Affiliate und verlinkst die Produkte Deines Merchants auf Deiner eigenen Webseite, in Deinem Blog, in Deinem YouTube-Kanal oder auch auf Social Media.

Dein Merchant erkennt dann anhand des Links, über den der Käufer zu ihm kam, dass Du diesen vermittelt hast, und zahlt Dir eine (sehr kleine) Provision für jeden Kauf, der durch Dich bzw. Deinen Link zustande kommt.

Vorteile des Affiliate-Geschäftsmodells

Die beiden größten Vorteile des Affiliate-Geschäftsmodells sind die (sehr) niedrige Einstiegshürde und die Möglichkeit, gleichzeitig ein breites Portfolio anzubieten.

Niedrige Einstiegshürde

Im Prinzip brauchst Du als Solopreneur wenig bis gar keine Voraussetzungen, um mit dem Affiliate-Marketing zu beginnen. Du hast keine laufenden Kosten, benötigst kein Lager und auch um die Kaufabwicklung kümmert sich Dein Partner. Du musst ja lediglich die Produkte Deines Merchants auf Deiner eigenen Plattform mit Affiliate-Links versehen.

Breites Angebotsportfolio

Zweitens kannst Du als Affiliate natürlich Produkte und Dienstleistungen verkaufen bewerben, die Du als Solopreneur alleine niemals stemmen könntest. Wenn Du zum Beispiel Publisher von Amazon bist, kannst Du jedes beliebige Produkt aus Amazons Webshop in Deinem Blog mit einem Affiliate-Link versehen. Nichts hindert Dich also daran, teure E-Bikes oder Laptops in Deinem Blog zu bewerben.

Nachteile von Affiliate

Wie alles im Leben hat das Affiliate-Geschäftsmodell auch Nachteile. Darunter die Abhängigkeit von Deinem Merchant, die fehlenden Kundenbeziehungen, die geringe Vergütung durch Provisionen und nicht zu vergessen einige technische Hürden.

Abhängigkeit

Der erste und größte Nachteil von Affiliate ist, dass Du mit diesem Geschäftsmodell komplett abhängig von Deinem Partner bzw. Merchant bist. Im Grunde ist das genauso wie bei Plattformen wie YouTube: Nichts beschützt Dich davor, dass Deine Konditionen morgen plötzlich ganz anders aussehen oder das Affiliate-Programm komplett eingestellt wird.

Deshalb ist es auch nicht besonders ratsam, Affiliate als alleinige Einnahmequelle zu nutzen.

Keine Kundenbeziehungen

Zweitens baust Du beim Affiliate-Geschäftsmodell keine Beziehung zu den Käufern auf, die Du vermittelt hast. Denn im Normalfall klickt ein Käufer ja "als Gast" auf Deinen Affiliate-Link und wird dann zum Webshop Deines Merchants weitergeleitet.

Dadurch lernst Du nichts über den Käufer, weißt nicht, was er oder sie gekauft hat, hast keine Kontaktdaten wie die E-Mail-Adresse usw. Außerdem verdienst Du nur an der Vermittlung des ersten Kaufs, während spätere Käufe direkt bei Deinem Merchant stattfinden.

Geringe Vergütung

Weil Du den Verkauf beim Affiliate-Marketing nur vermittelst, erhältst Du auch nur eine Provision von Deinem Merchant, die aber meistens nicht sonderlich hoch ist. Deshalb lohnt sich dieses Geschäftsmodell erst dann, wenn Du auf Deiner eigenen Plattform ausreichend Besucher hast.

Technische Hürden

Last but not least gibt es auch einige technische Hürden beim Affiliate-Marketing. Denn durch Adblocker, Cookie-Blocker oder Browser-Restriktionen werden mitunter nicht alle von Dir vermittelten Verkäufe korrekt zugeordnet, sodass Dir die Provision auch durch die Lappen gehen kann.

Darauf musst Du achten, wenn Du Affiliate nutzen willst

Wenn Du das Geschäftsmodell Affiliate-Marketing nutzen willst, solltest Du dabei insbesondere auf zwei Dinge achten:

  • E-E-A-T (Experience, Expertise, Authoritativeness und Trustworthiness)
  • Kennzeichnungspflicht

Während die Kennzeichnungspflicht für Dich relativ leicht umzusetzen ist, kann E-E-A-T mitunter ein ziemlich großer Brocken sein.

E-E-A-T

Künstliche Intelligenz und AI Overviews haben das Suchverhalten vieler Käufer in den letzten Monaten stark verändert. Während es früher möglich war, mit klassischen "Was ist...?"-Beiträgen zu ranken, die für die SERPs von Google optimiert waren, erzeugt diese Art von Artikeln heute kaum noch nennenswerten Traffic.

Weil ein hoher Traffic aber die Grundvoraussetzung dafür ist, dass Dein Affiliate-Modell funktioniert, musst Du mittlerweile anderen Content liefern. Und zwar den, den eine KI nicht bieten kann: persönliche Erfahrung in Deinem Thema, eine große Expertise, Autorität und Vertrauenswürdigkeit.

💡
Die vielbeschworene E-E-A-T-Formel von Google ist im KI-Zeitalter also noch einmal doppelt so wichtig, wie sie das ohnehin schon war.

Insbesondere Vertrauen (das "T" in E-E-A-T steht für Trustworthiness) und ein starkes Personal Branding spielen beim Affiliate-Geschäftsmodell eine ganz besonders große Rolle. Vertrauen ist der Dreh- und Angelpunkt, der darüber entscheidet, ob Deine Seitenbesucher Deiner Empfehlung wirklich glauben.

Sobald sie jedoch den Eindruck haben, dass Du Produkte nur empfiehlst, weil Du daran mitverdienst, funktioniert Affiliate-Marketing nicht mehr.

Kennzeichnungspflicht

Zu all dem kommt noch hinzu, dass Du Affiliate-Links in Deinem Content kennzeichnen musst. Für Deinen Seitenbesucher muss also immer klar und offensichtlich sein, dass Du als Publisher fungierst und daran mitverdienst, wenn er auf einen dieser Links klickt und dann etwas kauft.

Mitunter kann sich diese Kennzeichnung bei manchen Deiner Blogleser auch negativ auf das notwendige Vertrauen auswirken. Denn wie glaubwürdig ist Dein Testbericht, wenn Du am Verkauf der getesteten Produkte mitverdienst?

Sorge also dafür, dass Du auch negative Aspekte von Produkten Deiner Merchants offen ansprichst. (Oder sogar von ihnen abrätst, wenn sie Dich nicht wirklich überzeugen.)

Coffeeness als Beispiel für Affiliate-Marketing

Ein gutes Beispiel für das Affiliate-Geschäftsmodell ist Coffeeness von Arne Preuss. Der ehemalige Barista und Marketingmitarbeiter bei Starbucks begann 2008 damit, über seine Arbeit zu bloggen und sein Wissen mit anderen Kaffeeliebhabern in seinem Blog zu teilen.

Weil der Verkauf von E-Books und klassische Werbeanzeigen nicht wirklich funktionierten, begann Preuss einige Jahre später mit Affiliate-Marketing und veröffentlicht seitdem Testberichte zu Kaffeemaschinen, Kaffeevollautomaten, Espressomaschinen, Milchaufschäumern etc.

Preuss legt dabei großen Wert auf die Unabhängigkeit seiner Tests, um sich das Vertrauen seiner Besucher zu sichern (Stichwort: E-E-A-T). Im Footer von Coffeeness kannst Du beispielsweise lesen:

💬
Wir lassen uns nicht kaufen! Alle Produkte, die wir testen, werden kritisch unter die Lupe genommen und ehrlich bewertet.

Darüber hinaus sind alle getesteten Produkte selbst gekauft und es gibt keinerlei Sponsoring durch die Hersteller. (Ausnahmen sind Vorabtests bei Maschinen, die noch nicht käuflich zu erwerben sind.)

Das Kundensegment von Coffeeness sind größtenteils ältere Menschen, die ihren Kaffee im örtlichen Supermarkt kaufen, meistens Männer zwischen 40 und 60 Jahren. (Also keine Kaffee-Nerds 😉)

Tragfähig wird das Geschäftsmodell von Coffeeness durch Suchmaschinenoptimierung (SEO) und einen eigenen YouTube-Kanal mit über 77.000 Abonnenten, die für ausreichend Traffic und Sichtbarkeit sorgen. Außerdem betreibt Arne Preuss eine eigene Facebook-Gruppe mit 50.000 Mitgliedern.

Das Schlüsselelement des Geschäftsmodells sind 20 bis 30 verschiedene Affiliate-Partner (Stand 2021), mit denen Coffeeness den Umsatz durch Provisionen generiert.

Das Affiliate Business Model von Coffeeness auf dem Business Model Canvas

Auf dem Business Model Canvas lässt sich das Affiliate-Modell von Coffeeness folgendermaßen darstellen:

Business Model Canvas mit dem Affiliate-Geschäftsmodell von Coffeeness

Kurz gesagt

Coffeeness zeigt, dass Affiliate-Marketing auch 2026 noch als Geschäftsmodell funktionieren kann. Nach wie vor bleiben ein hohes Vertrauen in Deine Expertise und eine ausreichend große Reichweite die beiden Schlüsselelemente für die erfolgreiche Umsetzung.

Für die allermeisten Solopreneure bleibt Affiliate jedoch ein netter Zusatzverdienst und kein eigenständiges Geschäftsmodell, weil es oft Jahre dauert, die nötige Reichweite aufzubauen.

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