Wahrscheinlich kommt Dir das bekannt vor: Du sitzt vor Deinem Laptop und schaust Dir an, was die Konkurrenz gerade so treibt. Und nach einer Stunde Recherche stellst Du fest: Die haben alle einen Podcast. Die bieten alle ein kostenloses Erstgespräch an. Die nutzen alle denselben Funnel. Die schwören alle auf Instagram Reels. Und Du fragst Dich: Muss ich das jetzt auch so machen?

Die kurze Antwort: Nein. (Das ist sogar eine ziemlich schlechte Idee.)

Die lange Antwort: Best Practices machen Dein Business schnell zur blassen Kopie, wenn Du sie für jede erdenkliche Herausforderung einsetzt. Und damit verbaust Du Dir selbst die Möglichkeit, Dir einen echten USP zu erarbeiten.

Warum Best Practices so beliebt sind

Als Sologründer bist Du zu Beginn Deiner Gründung mit einer Flut von Themen und den damit zusammenhängenden Herausforderungen und Problemen konfrontiert. Wer sind Deine Kunden? Was ist Deine Value Proposition? Über welche Kanäle gelangt Dein Produkt oder Deine Dienstleistung zum Kunden? Wie machst Du Deine Kunden auf Dein Angebot aufmerksam?

Hinzu kommen weitere Themen wie Datenschutz, Steuer und vieles andere mehr. Da ist es nachvollziehbar, wenn Du bei all diesen brennenden Fragen auf bewährte Konzepte und Best Practices zurückgreifst. Schließlich musst Du ja nicht überall das Rad neu erfinden, oder?

Und zugegeben: In der Regel ist es sinnvoll, auf Best Practices zurückzugreifen. Denn sie haben sich ja bereits als erfolgreich herausgestellt.

"Best Practice" wird schnell zu "Copy & Paste"

Das Problem ist nur, dass Dein Business langfristig auf einen "Copy & Paste"-Ansatz hinausläuft, wenn Du in allen erdenklichen Bereichen immer und überall auf Best Practices zurückgreifst. Denn Du bist ja nicht der einzige, der diese Best Practices nutzt: Alle Deine Mitbewerber nutzen sie ebenfalls.

  • Deine Blogeinträge optimierst Du mit den gleichen SEO-Maßnahmen und -Tools wie Deine Mitbewerber, um gut von Deiner Zielgruppe gefunden zu werden.
  • Dein Geschäftsmodell entspricht dem Branchenstandard und ist identisch mit dem Business Model Deiner Wettbewerber.
  • Die Lösungsansätze, die Du bietest, haben alle anderen Anbieter auch: Onlinekurse, Seminare, 1:1 Coachings etc.
  • Du machst einen Podcast, weil Du glaubst, dass das der neue Standard wäre. (Und das ist er auch, weil alle anderen auch einen haben.)
  • Deinen Newsletter machst Du Deinen Interessenten mit einem Lead Magnet schmackhaft und schreibst "Für 0 Euro" dran.
  • Für das Marketing schwörst Du auf Instagram Reels, weil Dir vermeintliche Marketing-Gurus einreden, dass das der letzte Schrei wäre.
  • Zum Schluss verquirlst Du Dein Angebot noch mit Künstlicher Intelligenz, weil das ja irgendwie gerade Trend ist und alle anderen es auch so machen. (Und dann muss ja wohl was Wahres dran sein, sonst würd's ja keiner machen.)

Copy & Paste erzeugt Einheitsbrei

Wenn alle Anbieter in Deiner Branche lange genug die gleichen Best Practices für ihr Business nutzen, nähern sich Eure Angebote immer weiter aneinander an. Jede kleine Besonderheit, jedes neue Feature wird sofort kopiert, imitiert und nachgeahmt. Bloß keinen wichtigen Trend verpassen!

Langfristig führt das jedoch dazu, dass Commodities entstehen: Die Angebote innerhalb einer Branche gleichen wie ein Ei dem anderen und Kunden können sie gar nicht mehr von einander unterscheiden.

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Was als Best-Practice-Lösung begann, macht Dich langfristig von Deinen Wettbewerbern ununterscheidbar.

Das günstigste Angebot gewinnt

Letztlich läuft diese Situation darauf hinaus, dass der günstigste Preis zum einzigen Entscheidungskriterium für Deine Kunden wird. Denn wonach sollen sie sich auch richten, wenn alles andere identisch ist?

Natürlich wird das oft beklagt. Leider werden die Gründe dafür vornehmlich woanders gesucht, nur nicht bei sich selbst. Statt zu hinterfragen, ob es schlau war, die Konkurrenz einfach überall blindlings zu kopieren, wird das Ganze einfach zum "Branchenstandard" umdeklariert. So als wäre es ein Naturgesetz, dem jeder Wettbewerber hilflos ausgeliefert wäre.

Es mag sogar sein, dass die Spielregeln innerhalb einer Branche unveränderbar sind. Allerdings musst Du dieses Spiel gar nicht mitspielen. Wenn Du Dein Business strategisch schlau aufstellst, kannst Du die Spielregeln neu definieren und machst Dich nicht zum Spielball von Einflussfaktoren, die Du nicht kontrollieren kannst.

Rettungsanker "Persönlichkeit"

Viele Solopreneure, die die Commodity-Falle zu spüren bekommen, suchen (mehr oder weniger) verzweifelt nach einem Ausweg aus der vertrackten Situation. Sie versuchen dann, ihre Persönlichkeit als Alleinstellungsmerkmal zu nutzen, um aus dem Einheitsbrei der gesamten Branche doch noch irgendwie hervorzustechen.

Aber es ist ein Aberglaube, dass Deine individuelle Persönlichkeit das Sahnehäubchen ist, mit dem Du aus dem ansonsten faden Durchschnitts-Apfelkuchen einen heißbegehrten Straßenfeger machst.

Versteh mich nicht falsch: Du bist und bleibst ein einzigartiges Individuum. Aber die Rechnung Standard-Angebot plus Ich geht schlichtweg nicht auf. Denn Deinen Kunden ist es vollkommen egal, ob sie Standard-Angebot A von Lars oder Standard-Angebot A' von Klaus kaufen, weil A und A' sich einfach nicht voneinander unterscheiden.

Deine Persönlichkeit ist nur dann wirklich relevant, wenn Du Deine Fähigkeiten, Dein Know-how, Dein Können, Deine Methodenkenntnisse usw. dazu nutzt, Dein Angebot einzigartig zu machen. Wenn sie Dir dabei hilft, Dich strategisch anders aufzustellen oder ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das andere nicht imitieren können, oder einen Nutzen zu stiftet, der auf Deinen individuellen Fähigkeiten basiert, die niemand anderes besitzt.

Kurz gesagt

Wenn Du Dich wirklich von Deinen Wettbewerbern abheben willst, dann solltest Du Best Practices mit Vorsicht genießen. Wenn Du Dir einen strategischen Vorteil gegenüber Deinen Konkurrenten sichern willst, bringt Dich Copy & Paste nicht weiter. Und wenn Du Dir einen USP erarbeiten möchtest, dann darf Deine Persönlichkeit nicht das Sahnehäubchen, sondern muss das Fundament Deines Geschäftsmodells sein.

5 Möglichkeiten, Deinen USP zu entwickeln

Wenn Du nach Möglichkeiten suchst, Dich strategisch anders aufzustellen und der Commodity-Falle zu entkommen, möchte ich Dir zum Schluss noch fünf Möglichkeiten mit auf den Weg geben, die Du dazu nutzen kannst:

  1. Kenne die 3 Kernelemente einer guten Strategie, um Dir einen echten Vorteil gegenüber Deinen Wettbewerbern zu verschaffen.
  2. Wirf einen Blick auf die Blue-Ocean-Strategie, um Märkte und Branchen anders zu denken und Dich von Deinen Wettbewerbern freizuschwimmen.
  3. Beschäftige Dich mit dem Business Model Navigator, der Dir dabei hilft, Geschäftsmodelle anderer Branchen auf Deine eigene zu übertragen und so Innovation zu erzeugen.
  4. Nutze Strategien für innovative Geschäftsmodelle, die Dich dabei unterstützen, Dein Business anders auszurichten als alle anderen.
  5. Mach Dein individuelles Know-how zum Fundament Deiner Strategie und Deines Geschäftsmodells, um zu verhindern, dass Dich andere einfach kopieren können.
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