Als Solopreneur kann es manchmal ganz schön schwierig sein, eine Strategie zu entwickeln, die auch funktioniert und ihren Namen wirklich verdient hat. Irgendwie ist zwar "alles da", aber im Alltag merkst Du dann trotzdem, dass alles nicht so ineinandergreift, wie es das eigentlich tun sollte.
Dann hängen zum Beispiel Deine Objectives & Key Results in der Luft, zum Quartalsbeginn weißt Du nicht so wirklich, was Du Dir eigentlich vornehmen solltest, und im Alltag machst Du alles Mögliche, aber nichts davon bringt Dein Business langfristig voran.
Falls es Dir auch so geht, dann solltest Du einen Blick auf den Decision Stack von Martin Eriksson werfen. Denn auch wenn er ursprünglich für große Unternehmen entwickelt wurde, halte ich ihn auch für Solopreneure wie Dich und mich für ein sehr wertvolles Denk-Modell, um die blinden Flecken in Deiner Strategie aufzudecken.
Was ist der Decision Stack?
Nach Eriksson musst Du für eine funktionierende Strategie 5 wichtige Fragen beantworten können:
- Wo will ich hin?
- Wie werde ich das erreichen?
- Was ist jetzt wichtig und wie erkenne ich meinen Fortschritt?
- Welche Aktionen unternehme ich, die mich voranbringen?
- Wie treffe ich die richtigen Entscheidungen?
Der Decision Stack beantwortet diese 5 Fragen mit fünf verschiedenen Ebenen:
- Vision
- Strategie
- Objectives & Key Results
- Opportunities & Solutions
- Prinzipien

Wie hilft Dir der Decision Stack?
Der Decision Stack ist vor allem für zwei Dinge ganz besonders hilfreich:
Zum einen findest Du mit seiner Hilfe heraus, ob Dir eines der fünf Elemente für eine gute Strategie fehlt, und deckst so Lücken auf.
Zum anderen kannst Du mit dem Decision Stack aber auch überprüfen, ob alle fünf Elemente wirklich ineinandergreifen und aufeinander abgestimmt sind. Der Decision Stack trägt seinen Namen nämlich nicht umsonst, sondern weil bei einem guten Aufbau alles von oben nach unten (und von unten nach oben) "ineinandergesteckt" werden kann und miteinander verknüpft ist. (Wie das genau funktioniert, erkläre ich weiter unten.)

Aufbau des Decision Stacks
Schauen wir uns aber zunächst die fünf verschiedenen Ebenen des Decision Stacks einmal etwas genauer an.
Ebene #1: Vision
Deine Vision gibt die Antwort auf die Frage: "Wo will ich hin?" und ist das oberste bzw. erste Element des Decision Stacks. Deine Vision hilft Dir dabei, Dich auf diejenigen Dinge zu fokussieren, die wirklich wichtig sind, um sie Realität werden zu lassen. Natürlich sollte sie außerdem ausreichend Resonanz in Dir erzeugen, damit sie Dich auch motiviert und bestenfalls sogar inspiriert.

Mit Hilfe Deiner Vision definierst Du, wie Erfolg für Dich aussieht.
Die Herausforderung für eine wirklich gute Vision besteht meistens darin, sie klar genug zu formulieren, dass sie alle oben genannten Dinge erfüllt, Dir aber gleichzeitig noch genügend Flexibilität bietet, was ihre konkrete Ausgestaltung bzw. Umsetzung angeht.
Der Decision Stack schreibt Dir übrigens nicht vor, wie Du Deine Vision genau zu formulieren hast. Wenn es Dir hilft, kannst Du für diese Ebene des Decision Stacks sowohl eine Vision als auch eine Mission festhalten oder eben nur eine Vision. Ich persönlich empfehle Dir den Golden Circle von Simon Sinek zu diesem Zweck, aber letzten Endes ist das Ganze auch Geschmacksache.

Ebene #2: Strategie
Wenn Du mit Deiner Vision die Antwort darauf gegeben hast, wo Du hinwillst, geht es im zweiten Schritt des Decision Stacks darum, mit Hilfe Deiner Strategie die Antworten auf die zweite Frage zu geben: "Wie werde ich das erreichen?"

Mit Deiner Strategie triffst Du Entscheidungen darüber, wo Du spielen und wie Du gewinnen willst. Deine Strategie beantwortet deshalb Fragen wie:
- Wer sind Deine Kunden?
- Auf welche Marktsegmente wirst Du Dich konzentrieren?
- Wie positionierst Du Dich gegenüber Deinen Wettbewerbern, um Dein Spielfeld so zu gestalten, dass sich Deine eigenen Fähigkeiten in Stärken (und die Deiner Wettbewerber in Schwächen) verwandeln?
- Wie kannst Du Deine Strategie gegen Trittbrettfahrer schützen und Dein Alleinstellungsmerkmal langfristig bewahren?
Letzten Endes lässt sich eine gute Strategie auf zwei zentrale Fragen zusammendampfen:
- Was versetzt Dich in die Lage, einen einzigartigen Nutzen zu schaffen?
- Wie kannst Du diesen Nutzen Deinen Kunden auf eine Art und Weise liefern, die Dich von Deinen Wettbewerbern unterscheidet?
Naturgemäß sind die Fragen auf der zweiten Ebene des Decision Stacks oft sehr schwierig zu beantworten. Falls Du aktuell vor der Herausforderung stehst, Deine Strategie zu entwickeln, empfehle ich Dir einen Blick in meinen Blogbeitrag zur Strategie-Kaskade von Lafley und Martin aus Playing to Win.

Ebene #3: Objectives & Key Results
Nachdem Du die Antworten darauf gegeben hast, wo Du hinwillst (Vision) und wie Du dieses Ziel erreichen willst (Strategie), geht es auf der nächsten Ebene des Decision Stacks darum, die dritte Frage zu beantworten: "Was ist jetzt wichtig und wie erkenne ich meinen Fortschritt?"
Der Decision Stack greift dabei auf Objectives & Key Results (OKR) zurück, weil sie die perfekte Brücke zwischen Deiner Strategie und den konkreten Aktionen in Deinem Alltag als Solopreneur bilden. Denn während der Zeithorizont Deiner Strategie meist Jahre umfasst, konzentrierst Du Dich mit OKR auf die wichtigsten Ziele der nächsten Wochen und Monate.

Objectives & Key Results sind aber immer noch Ziele und keine Doings oder Aufgaben. OKR sagen Dir lediglich, welches Etappenziel Du in den nächsten Wochen anstreben willst und woran Du erkennst, dass Du es erreicht hast.
Ebene #4: Opportunities & Solutions
Erst auf der vierten Ebene des Decision Stacks entscheidest Du, welche Dinge Du konkret umsetzen willst, um Deine Objectives zu erreichen. Auch hier solltest Du zunächst die Vielzahl an Möglichkeiten erforschen, bevor Du Dich für konkrete OKR Initiativen entscheidest.
Der sogenannte Opportunity Solution Tree (OST) von Teresa Torres ist dazu ein nützliches Werkzeug. Beim OST überlegst Du Dir zunächst, welche Möglichkeiten (Opportunities) Du hast, um die Key Results Deines Objectives zu beeinflussen, bevor Du darüber nachdenkst, welche Lösungen (Solutions) Du dazu einsetzen wirst.

Der Opportunity Solution Tree funktioniert also so ähnlich wie der Double Diamond aus dem Design Thinking: Bevor Du Dich für Lösungen entscheidest, öffnest Du zunächst den Raum für Ideen und Möglichkeiten.
Klingt kompliziert? Ist es nicht. Tatsächlich ist das Ganze viel einfacher, als es vielleicht zunächst klingt.
Stell Dir vor, Du hast Dir folgendes OKR gesetzt:
| O: Ich überzeuge meine Webseitenbesucher davon, sich für meinen Newsletter zu registrieren. |
|---|
| KR: Die Conversion Rate für meinen Newsletter steigt von 0,5 auf 2 %. |
Um das Key Result Deines Objectives zu beeinflussen, hast Du viele verschiedene Möglichkeiten. Beispielsweise könntest Du das Vertrauen Deiner Besucher in Deinen Newsletter und Dein Angebot steigern. Eine andere Möglichkeit könnte sein, Deinen Newsletter stärker hervorzuheben, weil Du herausgefunden hast, dass die meisten Besucher gar nicht wissen, dass Du einen Newsletter anbietest. Eine dritte Möglichkeit könnte darin bestehen, den Wert Deines Newsletters zu erhöhen.
Und für alle drei Möglichkeiten (Opportunities) gibt es verschiedene Lösungsansätze (Solutions), die Du testen & ausprobieren kannst.
| Vertrauen steigern | Newsletter stärker hervorheben | Wert des Newsletters erhöhen |
|---|---|---|
| Social Proof durch Testimonials | Popup mit Registrierungsformular | Lead Magnet anbieten |
| Vorteile des Newsletters klarer kommunizieren | Newsletter auf Social Media posten | Aktuelle News im Newsletter einbinden, die es nur bei Dir gibt |
| Alte Newsletterbeiträge öffentlich einsehbar machen | Einen Weiterleitungsbutton im Newsletter einbinden | Sonderangebote für Newsletter-Abonnenten anbieten |
| Interview-Beiträge mit zufriedenen Abonnenten im Blog posten | Social Media Buttons im Newsletter einbinden | Zugang zu exklusiven Inhalten für Abonnenten anbieten |
| Prämien & Rabatte für Menschen, die Deinen Newsletter weiterempfehlen | ||
| Online Ads schalten |
Wie Du siehst, kannst Du durch den Opportunity Solution Tree sehr viele Lösungsansätze erarbeiten, die alle geeignet sind, um Dein Key Result nach vorne zu bringen. So verschaffst Du Dir zuerst einen Überblick über Deine Optionen und gehst nicht direkt daran, die erstbeste Idee sofort umzusetzen.
Ebene #5: Prinzipien
Prinzipien sind die letzte Ebene des Decision Stacks.
- Deine Vision sagt Dir, wo Du hinwillst.
- Deine Strategie sagt Dir, wie Du dort hinkommen wirst.
- Deine OKR sagen Dir, was jetzt wichtig ist (und woran Du erkennst, dass Du auf einem guten Weg bist).
- Deine Opportunities & Solutions sagen Dir, welche konkreten Aktionen Du unternehmen kannst.
- Deine Prinzipien legen fest, wie Du im Alltag Lösungen entwickelst und wie Du Dich entscheidest, wenn Du in der Praxis zwischen zwei (oder mehr) Alternativen wählen musst.

Im Gegensatz zu Werten sind Prinzipien sehr viel hilfreicher, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen. Während Werte lediglich sagen, wer Du sein willst bzw. was Dir wichtig ist, sind Prinzipien klare Kriterien, mit deren Hilfe Du Entscheidungen triffst.
Stell Dir vor, Du musst Dich zwischen zwei Optionen entscheiden. Dann hilft es Dir wenig, wenn Du sagst "Mein Wert ist Innovation." Wenn Du hingegen Prinzipien wie "Bestandskunden sind wichtiger als Neukunden" oder "Leser & Menschen sind wichtiger als SEO & GEO" hast, machen sie die richtige Entscheidung schnell offensichtlich.
Wenn Du hier tiefer einsteigen möchtest, empfehle ich Dir übrigens das Buch Principles: Life & Work von Ray Dalio. Hier ein kurzes Video aus seiner Mini-Serie als kleinen Appetizer für Dich:
Mit Klick auf "Play" wird das Video von YouTube geladen. Dabei können Cookies gesetzt und Daten an Google übermittelt werden. Mehr erfahren.
Auf & Ab im Decision Stack
Jetzt, wo Du alle fünf Ebenen des Decision Stacks kennst, kommen wir zum eigentlichen "magischen Trick" von Martin Erikssons Modell. Denn der Decision Stack verbindet alle fünf Elemente logisch miteinander.
- Gehst Du die Ebenen des Decision Stacks von oben nach unten durch, gibt Dein Decision Stack die Antwort darauf, wie Du etwas umsetzen wirst.
- Bewegst Du Dich im Decision Stack von unten nach oben, gibt der Decision Stack die Antwort darauf, warum Du etwas tust.
Wenn Du fragst, wie Du Deine Vision umsetzen wirst, gibt Deine Strategie die Antwort. Wenn Du fragst, warum Du gerade diese Strategie verfolgst, gibt Dir Deine Vision die passende Antwort.

Der Aufbau des gesamten Decision Stacks sieht dann folgendermaßen aus. Wie Du siehst, bildet die unterste Ebene des Decision Stacks mit Deinen Prinzipien die einzige Ausnahme. Denn auf die Frage, warum Du bestimmten Prinzipien folgst, geben nicht Deine Opportunities & Solutions die passende Antwort, sondern Deine Strategie.

Noch mehr Decision Stack
Ich hoffe, ich konnte Dich ein wenig inspirieren, Dich noch etwas intensiver mit dem Decision Stack zu beschäftigen. Ein guter erster Einstieg ist der lesenswerte Blog von Martin Eriksson und natürlich sein Buch, das im April dieses Jahres erschien. Wenn Du Dir lieber Videos anschaust, empfehle ich Dir diese 30-minütige Vorstellung des Decision Stacks von Eriksson persönlich.
Falls Du Dich live und in Farbe mit mir und anderen Solopreneuren zum Decision Stack austauschen möchtest, kannst Du auch beim nächsten scamper.meetup am 2. September mit dabei sein, da ich vorhabe, eine Session dazu anzubieten.
Natürlich kannst Du Deine Fragen auch in der scamper.community posten oder einen Kommentar hier in diesem Blogbeitrag hinterlassen. Ich freu mich auf Dein Feedback!




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