Sind OKR nicht nur was für Unternehmen, Teams & Startups? Stimmt! Eigentlich wird die OKR-Methode vor allem von Unternehmen oder Start-ups genutzt. Und normalerweise sind Objectives & Key Results ein echter Teamsport. Meistens setzt sich also ein Team ein (oder mehrere) OKR, die es dann für ein Quartal verfolgt.

Allerdings haben Objectives & Key Results auch für Dich als Solopreneur eine Menge Vorteile zu bieten, die Du kennen solltest. Wenn Du OKR richtig anwendest, können sie auch für Dich also Sologründer zum echten Gamechanger werden.

Dazu musst Du zwar ein paar (kleinere) Anpassungen am OKR Framework vornehmen, aber im Großen und Ganzen kannst Du Objectives & Key Results "out of the box" für Dein Business nutzen.

Warum Du als Solopreneur die OKR-Methode nutzen solltest

Okay, kommen wir mal zu den Vorteilen!

Fokus auf das Wesentliche

Als Solopreneur machst Du alles alleine und musst viele verschiedene Aufgaben miteinander in Einklang bringen: Kundenanfragen, Marketing, Produktentwicklung, Buchhaltung etc. Da ist es ziemlich leicht, sich in operativen To-dos zu verlieren und den Blick für's große Ganze zu verlieren.

OKR helfen Dir, Deine wichtigsten Ziele klar zu definieren und so Deinen Fokus zu halten.

Statt zehn verschiedene Projekte gleichzeitig umzusetzen, legst Du mit der OKR-Methode maximal zwei Objectives für ein Quartal fest. Noch besser ist es, wenn Du Dir nur ein einziges OKR setzt und dieses mit maximalem Fokus verfolgst.

Lächelnde Frau in rotem Oberteil vor rotem Hintergrund formt mit ihren Händen einen rechteckigen Rahmen.
Gute OKR ermöglichen Dir einen Fokus auf das Wesentliche.

Sichtbarer Fortschritt

Weißt Du eigentlich immer genau, wo Du gerade stehst? Wie stellst Du fest, dass Du mit dem, was Du tust, auch vorankommst? OKR lösen dieses Problem, indem sie Deinen Fortschritt messbar und transparent machen.

Mit OKR definierst Du für Dich klare Erfolgskriterien (in Form von Key Results), die Du das gesamte Quartal im Blick behältst.

Outcome statt Output

Der dritte Vorteil von Objectives & Key Results liegt darin, dass Du beginnst, in Outcome statt Output zu denken. Statt Dir vorzunehmen "10 neue Blogartikel zu schreiben", konzentrierst Du Dich mit OKR auf das Ergebnis, das Du erzielen möchtest: "Meine Besucherzahlen im Blog steigen von 1.000 auf 2.500."

Was vielleicht auf den ersten Blick ziemlich belanglos auf Dich wirkt, entpuppt sich in der Praxis als riesige Veränderung. Denn mit OKR hast Du immer im Blick, ob das, was Du unternimmst, eine Veränderung im Verhalten Deiner Kunden bewirkt.

Um outcome-orientierte Key Results für Deine OKR zu entwickeln, ist übrigens eine Customer Journey Map aus dem Design Thinking außerordentlich hilfreich. Wie das genau funktioniert, erfährst Du in diesem Beitrag:

So nutze ich die Customer Journey Map für meine OKR
Warum die Customer Journey Map das mächtigste Werkzeug ist, um wirklich gute Key Results für Deine Objectives zu entwickeln.

Ambitionierte, aber realistische Ziele

Viertens helfen Dir die Objectives & Key Results dabei, Dich maximal zu motivieren. Denn mit OKR legst Du Dir die Messlatte immer ein ganz klein wenig zu hoch, sodass sie zwar ambitioniert sind, aber gleichzeitig noch realistisch bleiben.

Streck Dich!
Stretch Goals sind ein extrem hilfreicher Ansatz, um Dich mit ambitionierten Zielen selbst zur Höchstleistung anzuspornen.

Mit OKR setzt Du Dir also Ziele, die ein klein wenig außerhalb Deiner Komfortzone liegen, aber mit ein wenig Anstrengung und Fokus trotzdem erreichbar sind.

Regelmäßige Reflexion und kontinuierliche Verbesserung

Fünftens sind Objectives & Key Results weit mehr als nur eine "etwas andere Art" Ziele zu formulieren! OKR sind ein Lernsystem. Es geht nicht nur darum, ob Du Deine Objectives erreichst oder nicht, sondern vor allem darum, was Du aus bei der Umsetzung hinzulernst.

Als Solopreneur hast Du niemanden, der Dich herausfordert oder kritisch hinterfragt. Und deshalb ist es umso wichtiger, Dir selbst regelmäßig wichtige Fragen zu stellen:

  • Was hat gut funktioniert? Warum?
  • Wo bin ich gescheitert? Was kann ich daraus mitnehmen?
  • Welche Annahmen über mein Business oder meine Strategie haben sich als richtig oder falsch erwiesen?
  • Welche OKR waren zu ambitioniert oder nicht ambitioniert genug?
Person mit roten Sneakers steht auf Asphalt mit vielen weißen Pfeilen, die in unterschiedliche Richtungen zeigen.
Der OKR-Zyklus hilft Dir dabei, regelmäßig zu reflektieren.

Diese Art der Reflexion hilft Dir, kontinuierlich besser zu werden, statt blindlings von einem Quartal ins nächste zu stolpern. So kannst Du Dich schneller weiterentwickeln und triffst immer bessere Entscheidungen für Dein Business.

Tatsächlich ist diese kontinuierliche Verbesserung sogar methodisch als sogenannter OKR Zyklus im Framework verankert.

Wie funktionieren Objectives & Key Results?

Wie der Name schon andeutet, bestehen Objectives & Key Results aus zwei verschiedenen Elementen. Dem Objective auf der einen und den Key Results auf der anderen Seite. Sie sind jedoch nicht voneinander unabhängig, sondern vielmehr so etwas wie zwei Seiten derselben Medaille.

Objective

Das Objective ist das WAS, das Du erreichen möchtest. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dein Objective sollte für Dich (und andere) bedeutend, konkret, handlungsorientiert und bestenfalls sogar inspirierend sein.

🎯
Objective: Ich überzeuge Gäste davon, sich in meinem Blog zu registrieren und meinen Newsletter zu abonnieren.

Key Results

Mit Hilfe der Key Results definierst Du den Maßstab, wann Du Dein Objective erreicht hast. Dadurch sorgen Key Results für die oben erwähnte Transparenz.

Denn bei einem guten Key Result gibt es keinen Zweifel, ob Du es erreicht hast oder nicht.

Üblicherweise haben Objectives 3 bis 5 Key Results, aber wenn Dir ein einziges ausreicht, kannst Du auch nur dieses eine Key Result für Dein Objective formulieren.

Fünf verzierte antike Schlüssel auf rotem Hintergrund.
Gute Key Results sind das A und O.

Für das obige Objective könntest Du zum Beispiel folgende Key Results festhalten:

Objective Ich überzeuge Gäste davon, sich in meinem Blog zu registrieren und meinen Newsletter zu abonnieren.
Key Result 1 Die Conversion-Rate (CVR) des Newsletters steigt von 2,8 auf 5 %.
Key Result 2 Die Zahl der Gastbesucher steigt von 200 auf 1000

Wie Du siehst, sagt das OKR gar nichts darüber aus, wie Du Dein Ziel erreichst. Natürlich musst musst Dir immer auch überlegen, was Du tun musst, um Dein Objective zu erreichen, allerdings sind Doings nicht Teil eines OKR!

Dazu kannst Du jedoch auf sogenannte OKR Initiativen zurückgreifen.

3 gute Gründe, warum Du OKR Initiativen nutzen solltest
OKR Initiativen helfen Dir als Sologründer dabei, in Hypothesen zu denken und fördern Dein agiles Mindset.

Der OKR Zyklus

Ursprünglich waren OKR lediglich eine neue Art, Ziele für einen Zeitraum von drei Monaten zu setzen. Mittlerweile wird jedoch der sogenannte OKR Zyklus genutzt, um der Umsetzung von OKR einen einfachen, aber effektiven Rahmen zu verleihen. Die einzelnen OKR Events sind dabei vom Scrum Framework geklaut inspiriert.

Schematische Darstellung des OKR Zyklus mit den Phasen OKR Planning, OKR Review, OKR Retro und regelmäßigen Biweekly bzw. OKR Check-ins in Form einer roten Pfeilspirale.
Der OKR Zyklus im Überblick

Kurz und knapp bedeutet das:

  • Zu Beginn eines Quartals findet ein OKR Planning statt, in dem alle OKR für das kommende Quartal bzw. den OKR Zyklus festgehalten werden.
  • Während des Quartals wird ein zweiwöchentlicher OKR Check-in (Biweekly) durchgeführt. Damit Deine OKR nicht in Vergessenheit geraten, werden sie mindestens alle zwei Wochen aktualisiert und überprüft. Gleichzeitig kannst Du an dieser Stelle natürlich auch überlegen, ob Du Deinen Weg fortführst oder einen Kurswechsel durchführen willst.
  • Jedes Quartal endet zunächst mit einer OKR Review. Hier geht es darum, einen klaren Abschluss des OKR Zyklus durchzuführen und Dir gleichzeitig zu überlegen, wie Du im nächsten Quartal auf Deinen Ergebnissen aufbauen kannst.
  • Nach der Review findet die OKR Retrospektive statt, in der das letzte Quartal reflektiert wird. Im Großen und Ganzen geht es dabei um die Fragen:
    • Wie gut hast Du die OKR-Methode umgesetzt?
    • Was hat gut geklappt? Und was nicht?
    • Was kannst Du im nächsten Quartal besser machen?

Eine ausführliche Beschreibung der OKR Events und wie Du sie gemeinsam mit anderen Solopreneuren erfolgreich umsetzen kannst, findest Du hier:

So funktioniert der OKR Zyklus
Eine kleine Anleitung für Einsteiger, in der Du lernst, wie Du gemeinsam mit Deinem Circle den OKR Zyklus durchläufst.

Such Dir Verbündete!

Nur weil Du Deine eigenen Objectives verfolgst, bedeutet das ja nicht zwangsläufig, dass Du Dich mit niemandem darüber austauschen darfst. Deshalb ist es ganz besonders hilfreich, wenn Du Dir andere Sologründer suchst, die ebenfalls die OKR-Methode nutzen.

Beispielsweise kannst Du einem OKR Circle beitreten, der sich regelmäßig alle zwei Wochen trifft, und in der jeder von Euch den Stand seiner momentanen OKR teilt. Das erzeugt zum einen das notwendige Commitment und zum anderen haben die Teilnehmer Deines OKR Circles wertvolles Feedback und Ideen für Dich, wenn Du einmal feststeckst und nicht weiterkommst.

OKR Circle Guide
Hier gibt’s die aktuelle Version des OKR Circle Guides zum kostenlosen Download.

Häufige Fehler bei OKR

Auch wenn OKR auf den ersten Blick recht simpel wirken, liegen die Herausforderungen oft im Detail. In der Praxis gibt so es einige Stolperfallen, die auf Dich lauern. Deshalb möchte ich zum Schluss auf die häufigsten von ihnen kurz eingehen.

Du hast weder ein übergeordnetes Ziel noch eine Strategie

Damit Dir das OKR Framework wirklich hilft, ist es sehr wichtig, dass Du Deine OKR in einen größeren Kontext einbettest. Das heißt, bevor Du Objectives & Key Results wirklich gewinnbringend einsetzen kannst, solltest Du zumindest ein übergeordnetes, strategisches Ziel festhalten, das Du verfolgen möchtest. Das kannst Du zum Beispiel mit Hilfe eines sogenannten Moals (Midterm Goal) erreichen.

Noch besser ist es natürlich, Du hast Dir zuvor grundlegende Gedanken zu Deiner Strategie gemacht, die Du mit Deinem Business verfolgen möchtest. Auch der Decision Stack von Martin Eriksson ist ein außerordentlich hilfreiches Werkzeug, um das Maximum aus Deinen OKR herauszuholen.

Wichtige Herausforderungen nicht adressieren

Ein zweites Problem entsteht, wenn Du mit Deinen OKR Deine wichtigsten Herausforderungen und Probleme nicht adressierst. Was bedeutet das? Nun, ganz einfach: OKR sollen Dir dabei helfen, Deine Strategie umzusetzen und nicht Dein Tagesgeschäft zu optimieren.

Oder anders gesagt: Sie sollen dafür sorgen, dass Deine Strategie im Tagesgeschäft nicht untergeht.

Bei einer guten Strategie geht es immer darum, Herausforderungen und Probleme, denen Du Dich gegenübersiehst, zu überwinden. Du brauchst also keine OKR für Dinge aufzuschreiben, die Du sowieso schon machst.

Wenn Du lediglich Dein Tagesgeschäft verbessern möchtest oder Dir bestimmte Gewohnheiten aneignen möchtest, eignen sich Ansätze wie Micro Habits oder ein Ecocycle Planning bedeutend besser.

Zu viele OKR gleichzeitig setzen

Strategie bedeutet, dass Du Dich fokussierst und nur die wichtigsten Dinge tust. Wenn Du Dir 12 OKR für ein Quartal vornimmst, dann erreichst Du damit genau das Gegenteil.

Mann in Kapuzenpullover hebt mit verwirrtem Gesichtsausdruck beide Hände schulterzuckend in die Höhe
Auch bei OKR gilt: weniger ist mehr!

Die meisten Profis empfehlen deshalb 3 bis 5 OKR, aber ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass 1 OKR pro Quartal vollkommen ausreichen.

Unklare oder nicht messbare Key Results

Auch bei den Key Results musst Du ein wenig aufpassen. Sie funktionieren nämlich nur dann, wenn sie eine Metrik enthalten, die Du regelmäßig messen kannst. Denn nur so sorgen sie für echte Transparenz.

Manchmal kann es auch ein wenig knifflig sein, gute OKR zu formulieren, weil es zugegebenermaßen etwas Übung braucht. Allerdings ist das ganze auch kein Hexenwerk, wenn Du weißt, worauf Du achten musst.

Falls Du hierbei Hilfe benötigst, dann wirf einen Blick in meine Beiträge OKR formulieren – die ultimative Anleitung oder 8 Beispiele für schlechte OKR und wie Du’s besser machst.

OKR einmal setzen und nie wieder ansehen

Damit Du Deine OKR nicht aus dem Blick verlierst, ist es wichtig, dass Du sie Dir regelmäßig immer wieder vor Augen hältst. Am besten funktioniert das, wenn Du Dir einen regelmäßigen (kurzen) Termin für den oben erwähnten Check-in setzt.

15 Minuten reichen vollkommen aus!

Ich selbst nutze für meine eigenen OKR übrigens die Software Perdoo. Damit kannst Du zum einen bequem Deine OKR pflegen und zum anderen wirst Du von Perdoo alle zwei Wochen automatisch erinnert, Deinen Check-in durchzuführen.

Notizzettel mit der Aufschrift "don't forget" auf einem Holztisch.
OKR Tools sind eine praktische Hilfe, um Dich an Deinen Check-in zu erinnern!

In Perdoo kannst Du sogar die Reflexionsfragen für Deinen Check-in selbst festlegen. Ich selbst nutze die folgenden Punkte:

  1. Daran habe ich gearbeitet
  2. Das war cool!
  3. Das war doof
  4. Das habe ich hinzugelernt
  5. Das mache ich als Nächstes

Der zweiwöchentliche Check-in ist in Kombination mit Reflexionsfragen ungemein wertvoll, um Deine OKR nicht aus den Augen zu verlieren und immer am Ball zu bleiben.

Und das Beste an der ganzen Sache: Als Sologründer kannst Du Perdoo sogar komplett kostenlos verwenden, weil das aktuelle Preismodell erst bei mehr als 5 Nutzern beginnt.

Schau auch gerne in meine OKR Chroniken! Dort teile ich regelmäßig alle zwei Wochen meinen eigenen Check-in mit der Community.

OKR Chroniken - scamper
Hier erhältst Du einen direkten und ungefilterten Einblick in meine Erfolge, Herausforderungen und meine Arbeit mit OKR.

Die Reflexionsphase (Retro) ausfallen lassen

Es kann ziemlich verführerisch sein, am Ende eines Quartals direkt mit dem nächsten Objective zu starten oder Dein OKR einfach "zu verlängern", weil Du nicht fertig geworden bist. OKR sind aber nicht nur dazu da, um Deine Ziele zu verfolgen, sondern Dir dabei zu helfen, Dich kontinuierlich zu verbessern und hinzuzulernen.

Nimm Dir deshalb zum Ende eines OKR Zyklus immer die Zeit, um darüber nachzudenken, was gut gelaufen ist, was schlecht gelaufen ist und was Du ab dem nächsten Quartal besser machen möchtest.

Kurz gesagt

OKR sind für Dich als Solopreneur ein sehr mächtiges Werkzeug! Sie helfen Dir, klare Ziele zu setzen, Deinen Fokus zu behalten und Deinen Fortschritt messbar zu machen. Ganz besonders dann, wenn Du Dich oft in der täglichen Arbeit verlierst, bieten sie Dir eine klare Struktur, die Dir sowohl Orientierung bietet als auch Deinen Lernprozess unterstützt.

Setze Dir ambitionierte, aber realistische Ziele, überprüfe regelmäßig Deine Fortschritte und reflektiere, was gut funktioniert und was nicht.

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