Manche Solopreneure besitzen einen wahren Bauchladen an Angeboten. Für jede noch so abstruse Situation haben sie das passende Kinkerlitzchen parat, das sie dann für ihre Kunden aus dem Hut zaubern können. Geht nicht, gibt's nicht!

Das Problem dabei ist nur, dass all das zum unnötigen Ballast werden kann, der Dich daran hindert, Momentum zu erzeugen und Dich mit Deinem Business strategisch neu auszurichten. Künstliche Intelligenz macht die Produktion von solch unnötigem Ballast so einfach wie nie zuvor:

  • Du hast eine Feature-Idee für Deine App? Schnell Claude Code angeworfen und in Nullkommanix ist es fertig!
  • Du willst einen neuen Lead Magneten? Drei Prompts später steht Dein E-Book zum Download bereit.
  • Du hast eine Idee für ein neues Mini-Produkt? Schnell ChatGPT gefragt, und eine halbe Stunde später ist die Sales-Page online.

Es gibt einen guten Grund, warum eines der zwölf Prinzipien im Agilen Manifest lautet:

Simplicity – the art of maximizing the amount of work not done – is essential.

Denn Momentum erzeugst Du nur dann, wenn Du Dich mit Deinem Produkt oder Deiner Dienstleistung auf den absoluten Kern Deines Business fokussierst. Wenn Du den wichtigsten Job to Be Done Deiner Zielgruppe klar erkannt hast und einen Weg gefunden hast, diesen (und nur diesen) hervorragend zu lösen.

Mit dem "No Frills"-Geschäftsmodell kannst Du genau das umsetzen: Du fokussierst Dich auf Dein absolutes Kernangebot und eliminierst jeglichen Schnickschnack, der Dich nur daran hindert, agil und flexibel zu bleiben.

Grundidee des Geschäftsmodells

Die Grundidee des "No Frills"-Modells besteht darin, Deine Value Proposition auf den absoluten Kern zu reduzieren und jegliche Zusatz- oder Komfortleistungen zu eliminieren.

Dadurch kannst Du Dein Angebot, Dein Produkt oder Deine Dienstleistung zu einem deutlich niedrigeren Preis anbieten als Deine Wettbewerber, weil Du die gesparten Kosten mit Deinen Kunden teilen kannst.

Vorteile von "No Frills"

Neben der Kostenreduzierung bietet Dir das "No Frills"-Modell noch einige weitere Vorteile.

Niedrige Kaufhürden für Deine Kunden

Weil Dir das "No Frills"-Geschäftsmodell einen sehr niedrigen Preis ermöglicht, senkst Du auch die Hürden für Deine potenziellen Käufer und Interessenten.

Kleine Handwerkerfirmen, die ihrer Webseite lediglich einen modernen Anstrich verpassen möchten, sind beispielsweise viel eher bereit, ein solches Standard-Update zu kaufen, als für eine hochindividuelle Designer-Webseite tief in die Tasche zu greifen.

Fokus auf Deine Kernkompetenz

Der zweite Vorteil dieses Business Models liegt darin, dass Du Dich auf Deine absolute Kernkompetenz konzentrieren kannst. Weil Du mit "No Frills" exakt das (und nur das) lieferst, was das Kernproblem Deiner Kunden löst, brauchst Du Dir um Zusatzleistungen und Sonderwünsche keine Gedanken mehr zu machen.

Für Dich als Solopreneur bedeutet das, dass Du nicht zum "alleswissenden Tausendsassa" mutieren musst, der auf jede erdenkliche Frage oder abstruse Anforderung eine fundierte Expertenmeinung liefern kann.

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Das "No Frills"-Geschäftsmodell senkt deshalb mitunter auch Deinen eigenen Mental Load im Daily Business.

Klare Zielgruppenansprache & Marketing

Drittens macht Dir das "No Frills"-Geschäftsmodell auch die Ansprache Deiner Zielgruppe deutlich einfacher, weil Du Dich beim Marketing ja auf ein einziges, sehr konkretes Angebot für ein klar definiertes Kundensegment konzentrieren kannst.

Du musst also nicht mehr entscheiden, wie Du Deine vielen Zusatzangebote und -leistungen bei der Zielgruppenansprache verpackst, weil diese ja nicht (mehr) existieren.

Skalierbarkeit

Der vierte Vorteil von "No Frills" ist die einfache Skalierbarkeit dieses Geschäftsmodells. Denn weil dieses Business Model vor allem von Automatisierung und standardisierten Prozessen lebt, ist es natürlich viel leichter zu skalieren als Geschäftsmodelle, die individuelle und manuelle Tätigkeiten erfordern.

Flexibilität und Wendigkeit

Der fünfte Vorteil dieses Geschäftsmodells besteht in einer großen Flexibilität und Wendigkeit. Weil Du Dich mit "No Frills" auf ein Kernangebot fokussierst, hat Dein Business auch wenig bis gar keinen unnötigen Ballast, der Dich daran hindert, auf Veränderungen zu reagieren.

Sollte also der Fall eintreten, dass sich Dein Markt verändert, bist Du viel wendiger und agiler als andere Solopreneure, die einen ganzen Bauchladen an Angeboten und Prozessen mit sich herumschleppen, der verändert, aktualisiert und angepasst werden muss.

Nachteile von "No Frills"

Natürlich hat "No Frills" nicht nur Vor-, sondern auch Nachteile, die Du kennen solltest, wenn Du mit diesem Geschäftsmodell liebäugelst.

Geringe Kundenbindung

Der erste große Nachteil des "No Frills"-Geschäftsmodells ist die mitunter sehr geringe Kundenbindung. Schnäppchenjäger, die in erster Linie auf den Preis achten, kaufen eben dort, wo sie das günstigste Angebot kriegen – wo immer das auch gerade sein mag.

Bietet einer Deiner Mitbewerber die gleiche (oder eine sehr ähnliche) Leistung zu einem niedrigeren Preis an, werden Deine Kunden deshalb wenig Hemmung haben, dort zu kaufen statt bei Dir.

Commodity-Effekt & Preiskampf

Weil "No Frills" auf einem einzigen, klaren Kernangebot basiert, gibt es für Dich oft wenig Optionen, Dich von anderen Wettbewerbern zu unterscheiden und ein echtes Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln.

In der Praxis entsteht dadurch häufig eine Vielzahl identischer Angebote, die für potenzielle Kunden nur noch über den Preis voneinander zu unterscheiden sind. Dieser Commodity-Effekt führt dann zu einem Preiskampf zwischen den Wettbewerbern, bei dem nur der Anbieter mit dem günstigsten Angebot überleben kann.

Falls Du Dich bereits in einer solchen Situation befinden solltest, bietet Dir übrigens die Blue-Ocean-Strategie viele hilfreiche Ansätze, um Dich aus dieser Todesspirale freizuschwimmen.

Wie funktioniert die Blue-Ocean-Strategie?
Hier erfährst Du alle Grundlagen zur Blue Ocean Strategy und welche Tools Du dazu nutzen kannst, sie umzusetzen.

Darauf musst Du achten, wenn Du "No Frills" nutzen willst

Wenn Du "No Frills" für Dein Business nutzen willst, solltest Du auf einige wichtige Dinge achten, damit das Ganze später auch erfolgreich ist.

  1. Dein Kernangebot muss extrem wertvoll & nützlich sein
  2. Achte auf einen Kopierschutz
  3. Setze auf Automatisierung & standardisierte Prozesse
  4. Sorge für ausreichend Reichweite

Dein Kernangebot muss extrem wertvoll & nützlich sein

Weil sich "No Frills" auf ein einziges Kernangebot fokussiert, ist es natürlich wichtig, dass dieses Angebot für Deine Zielgruppe extrem wertvoll und nützlich ist. Das Problem, das Du für Deine Kunden löst, muss also mit einem sehr wichtigen Job to Be Done (JTBD) zusammenhängen, auf den Deine Kunden nicht verzichten können.

Oder kurz gesagt: Du erledigst zwar nur einen einzigen JTBD, aber genau das machst Du herausragend.

Achte auf einen Kopierschutz

Häufig wird es schwierig sein, Dich langfristig von anderen Wettbewerbern zu unterscheiden. Damit Du nicht in einen Preiskampf verwickelt wirst, solltest Du sicherstellen, dass die Skills und Fähigkeiten, die für Dein "No Frills"-Angebot notwendig sind, nicht (oder zumindest nur sehr schwer) zu kopieren sind.

Falls Du Dir hier unsicher bist, kannst Du die Voraussetzungen für Deine Geschäftsidee mit einer VRIO-Analyse auf Herz und Nieren prüfen.

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Setze auf Automatisierung & standardisierte Prozesse

Das Fundament des "No Frills"-Geschäftsmodells sind niedrige Kosten. Standardisierte Prozesse und Automatisierung (durch Künstliche Intelligenz) sind deshalb das Schlüsselelement, damit dieses Business Model für Dich funktionieren kann.

Hierzu eignen sich natürlich insbesondere digitale Geschäftsmodelle. Denn jeder manuelle Handschlag, jede Sonderleistung und jeder zusätzliche Aufwand kostet Dich Zeit und Geld.

Sorge für ausreichend Reichweite

Ähnlich wie beim Affiliate-Geschäftsmodell funktioniert "No Frills" meistens nur dann wirklich gut, wenn es Dir gelingt, ausreichend Reichweite mit Deinem Angebot zu erzeugen. Der Grund dafür ist natürlich, dass die Marge bei diesem Geschäftsmodell deutlich niedriger ist als bei einem Geschäftsmodell, das auf einem umfangreichen "Rundum-sorglos-Paket" basiert.

Die Webseiten-Renovierer als Beispiel für das "No Frills"-Geschäftsmodell

Mit Die Webseiten-Renovierer bieten Carina Deing und Nikita Erochok einen Service, der aus veralteten Webseiten einen modernen Internetauftritt macht. Dabei verzichten sie auf individuelle Sonderanfertigungen und übernehmen vorhandene Inhalte, Texte und Bilder in die aktualisierte Webseite, wodurch sich wochenlange Meetings und Besprechungen erübrigen.

Zielgruppe der Webseiten-Renovierer sind kleine Unternehmen und Handwerkerfirmen, die ihrer Webseite lediglich einen modernen Anstrich verpassen möchten und keine "fancy Designer-Webseite" benötigen.

Damit das Geschäftsmodell funktionieren kann, setzen Carina und Nikita bei der Automatisierung von Anfragen, Design-Vorschlägen und der eigentlichen Umsetzung auf Künstliche Intelligenz.

Eine Besonderheit dieses "No Frills"-Angebots besteht übrigens darin, dass die neu erstellte Webseite anschließend auch durch die Webseiten-Renovierer gehostet wird. Hier werden also weitere Business Model Patterns wie Abonnements und Razor & Blade genutzt, um der geringen Kundenbindung des "No Frills"-Modells entgegenzuwirken.

Das "No Frills"-Geschäftsmodell der Webseiten-Renovierer auf dem Business Model Canvas

Auf dem Business Model Canvas lässt sich das "No Frills"-Geschäftsmodell der Webseiten-Renovierer wie folgt darstellen:

Business Model Canvas mit dem "No Frills"-Geschäftsmodell der Webseiten-Renovierer

Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Geschäftsmodellen

Wie Du am Beispiel der Webseiten-Renovierer schon gesehen hast, lässt sich das "No Frills"-Geschäftsmodell auch mit anderen Geschäftsmodellen kombinieren. Neben Abonnements und Razor & Blade wird dabei auch häufig auf Pay-per-use zurückgegriffen.

Pay-per-use

Pay-per-use ist sozusagen der umgekehrte Fall der Flatrate. Bestimmte Leistungen werden dabei nicht pauschal oder inklusive angeboten, sondern eben nur dann, wenn Kunden sie auch wirklich in Anspruch nehmen wollen. Bei "No Frills" kann das eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn Du merkst, dass manche Kunden bestimmte Leistungen von Dir erwarten und auch dazu bereit sind, dafür zu zahlen.

Auf diese Weise kannst Du den günstigen Preis Deines "No Frills"-Angebots halten, aber gleichzeitig bestimmte Zusatzleistungen anbieten, falls das für Dein Business sinnvoll ist.

Kurz gesagt

Alles in allem ist "No Frills" ein spannendes Geschäftsmodell, das insbesondere für Solopreneure attraktiv ist, die ihr Business so schlank und einfach wie möglich halten wollen.

Damit das Ganze aber wirklich langfristig funktioniert, muss es Dir gelingen, einen sehr wichtigen Job to Be Done Deiner Zielgruppe herausragend zu bedienen und diese Fähigkeit gegenüber Wettbewerbern zu verteidigen.

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