Wahrscheinlich hast Du ein ziemlich genaues Bild davon, wie und wann Deine Kunden Dein Angebot oder Deine Dienstleistung nutzen. Eine Webanalyse verrät Dir zum Beispiel, was Deine Besucher in Deinem Blog lesen, wie lange sie bei einem Artikel verweilen oder auf welche Links sie dabei klicken. Aber weißt Du auch, in welchem Kontext das genau geschieht? Oder was davor oder danach passiert?

Um die Lebenswelt Deiner Nutzer besser zu verstehen, ist deshalb nicht unbedingt immer nur ein einzelner Moment relevant, sondern ihr kompletter Alltag.

Mit A Day in the Life erreichst Du genau das: Die Design Thinking Methode unterstützt Dich dabei, ein umfassendes Bild vom Alltag Deiner Nutzer zu zeichnen und so besser zu verstehen, wie der Kontext eines ganzen Tages die Nutzung Deines Angebots beeinflusst.

Wie funktioniert A Day in the Life?

Wie der Name der Methode schon verrät, begleitest Du bei A Day in the Life eine Person Deiner Zielgruppe für einen ganzen Tag (oder zumindest einen wichtigen Teil davon). Das Ganze ist auch unter dem Begriff User Shadowing bekannt.

Dabei beobachtest und interagierst Du mit der Person. Im Gegensatz zu Fly on the Wall sind bei dieser Methode also auch Nachfragen erlaubt. (Stehen aber nicht im Vordergrund.)

Der Fokus liegt bei A Day in the Life auf Alltagsroutinen, Übergängen, Stimmungen und Unterbrechungen. Bei Deinen Beobachtungen dokumentierst Du also zeitliche Abläufe, Kontextwechsel, Energielevel Deines Nutzers, verwendete Tools oder auch mit welchen anderen Menschen er oder sie interagiert. Gleichzeitig achtest Du auch auf unbewusste Handlungen und Dinge, die Menschen tun, ohne darüber nachzudenken.

Wann solltest Du A Day in the Life einsetzen?

A Day in the Life eignet sich für Dich immer dann, wenn Du nicht nur eine spezifische Situation, sondern das große Ganze verstehen möchtest. Beispielsweise dann, wenn Du wissen willst, wie Dein Thema in den Gesamtalltag Deiner Zielgruppe eingebettet ist.

Die Methode aus dem Design Thinking ist besonders nützlich, wenn Du bereits erste Hypothesen über Dein Kundensegment aufgestellt hast und diese nun im echten Leben überprüfen willst.

Falls Du hingegen die Nutzung spezifischer Produkte oder eine konkrete Usability-Frage klären willst, ist A Day in the Life eher ungeeignet. Für solche Situationen gibt es bessere Methoden, beispielsweise User Interviews, Cognitive Walktroughs, Smoke Tests oder sogar eine einfache Landingpage mit A/B-Test.

A Day in the Life ist immer dann besonders hilfreich, wenn der Kontext eine entscheidende Rolle spielt. Beispielsweise wenn ein Job to Be Done in einer besonderen Umgebung stattfindet oder die Lebenssituation sehr speziell ist.

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A Day in the Life ist deutlich aufwändiger als Fly on the Wall. Deshalb solltest Du diese Methode nur dann einsetzen, wenn der Erkenntnisgewinn den Zeitaufwand auch rechtfertigt.

Wie funktioniert A Day in the Life konkret?

Insgesamt solltest Du vier wichtige Dinge berücksichtigen, wenn Du A Day in the Life einsetzen möchtest:

  1. Wähle die richtige Person
  2. Lege den Rahmen fest
  3. Begleite & dokumentiere
  4. Erkenne Muster

Schritt #1: Wähle die richtige Person

Zunächst musst Du natürlich eine repräsentative Person Deiner Zielgruppe identifizieren und diese bitten, sie einen ganzen Tag begleiten zu dürfen.

Gehe deshalb sehr sorgfältig bei der Auswahl der Person vor und stelle außerdem sicher, dass die Person, die Du begleiten möchtest, auch wirklich einen normalen Tag hat. (Urlaube oder Ausnahmesituationen sind wenig hilfreich. 😉)

Schritt #2: Lege den Rahmen fest

Auch wenn die Methode A Day in the Life heißt, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass Du Deinen Nutzer auch wirklich 24 Stunden begleitest. Je nach Thema, das Du verfolgst, kann es sinnvoll sein, nur die Morgenroutine, nur den Arbeitstag oder auch nur den Feierabend Deines Nutzers zu begleiten.

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Um das zu entscheiden, solltest Du zuvor eine Leitfrage bzw. Design Challenge formulieren.

Außerdem musst Du Dir natürlich Gedanken darüber machen, wie Du Deine Erkenntnisse dokumentieren möchtest. Machst Du Dir handschriftliche Notizen? Fotos? Oder sogar Videoaufnahmen? Dazu solltest Du Dich selbstverständlich auch mit der Person abstimmen, die Du begleiten wirst. (Und bei Fotos und Videos auch eine Einverständniserklärung unterschreiben lassen.)

Schritt #3: Begleite & dokumentiere

Wie bei Fly on the Wall begleitest Du bei A Day in the Life einen Nutzer in seinem Alltag, darfst dabei aber mit ihm interagieren und Fragen stellen, wenn Dir etwas unklar ist. Du bist also aktiv mit dabei, solltest die Situation aber nicht dominieren, indem Du Deinen Nutzer ständig unterbrichst.

Während Deiner Begleitung beobachtest Du die Stimmung Deines Users, seinen Energielevel, hältst Kontextwechsel fest und versuchst, Dir einen Gesamtüberblick über einen typischen Tag Deines Nutzers zu verschaffen.

Dazu kannst Du zum Beispiel die Zeiten notieren, in denen bestimmte Aufgaben erledigt werden, oder den gesamten Tag in Segmente wie Morgenroutine, Arbeitstag und Feierabend unterteilen, wenn es Dir notwendig und sinnvoll erscheint.

Neben Aktivitäten, Stimmungen und Emotionen verschaffst Du Dir außerdem einen Überblick über die Orte und Umgebung, in denen sich Dein Nutzer aufhält.

So kannst Du mit A Day in the Life gezielt die Hoch- und Tiefpunkte Deines Nutzers an einem typischen Tag analysieren und besser verstehen, wie Dein Thema in den Alltag Deiner Nutzer eingebettet ist.

Schritt #4: Erkenne Muster

Wenn Du die Begleitung Deines Nutzers durchgeführt hast, geht es daran, Deine Ergebnisse auszuwerten und wichtige Muster zu erkennen.

  • Wo entstehen Reibungspunkte im Tagesablauf Deiner Nutzer?
  • Wann und wo ist Dein Nutzer frustriert oder sehr motiviert?
  • Wo taucht Dein Thema auf und in welchem Kontext geschieht das?
  • Was hat Dich überrascht?

Wenn Du möchtest, kannst Du auch ein Storyboard anfertigen, um den zeitlichen Ablauf Deiner Nutzer mit erklärenden Notizen zu visualisieren.

Vor- & Nachteile von A Day in the Life

Wie alles hat auch A Day in the Life Vor- & Nachteile, die Du kennen solltest, wenn Du die Design Thinking Methode einsetzen möchtest.

Vorteile

Mit A Day in the Life zeichnest Du ein ganzheitliches Bild von der Lebenswelt Deiner Nutzer, statt nur eine einzelne Momentaufnahme zu machen. Die Methode unterstützt Dich vor allem dabei, Zusammenhänge zu entdecken, die bei einer kurzen Beobachtung (oder durch Interviews) unsichtbar bleiben.

Nachteile

Wie jede Methode hat A Day in the Life aber auch Nachteile. Zunächst mal ist sie sehr zeitaufwändig für Dich (und natürlich auch für die von Dir begleitete Person). Dadurch ist die Methode auch nicht wirklich skalierbar, weil Du immer nur eine einzelne Person begleiten kannst.

Außerdem entsteht schnell die Gefahr der "Betriebsblindheit": Je länger und häufiger Du A Day in the Life einsetzt, desto mehr gewöhnst Du Dich auch an das Gesehene.

Hinzu kommt, dass sich Deine Teilnehmer (möglicherweise) anders verhalten, weil sie ja wissen, dass sie beobachtet werden.

Nicht zuletzt kann die Datenmenge dieser Design Thinking Methode überwältigend sein. Hier hilft Dir neben einer klaren Forschungsfrage (Design Challenge) nur sehr viel Übung, Erfahrung und Praxis bei der Durchführung.

Kurz gesagt

A Day in the Life ist eine der stärksten Methoden, wenn Du tief in die Lebenswelt Deiner Nutzer eintauchen möchtest. Aufgrund des hohen Aufwands, solltest Du sie jedoch sehr gezielt einsetzen, dann aber mit voller Aufmerksamkeit.

Wie bei Fly on the Wall liegt auch hier der Schlüssel für den Erfolg darin, zu beschreiben statt zu interpretieren und die komplexen Zusammenhänge zu erkennen, statt einzelne Momente zu dokumentieren.

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