Wenn Du Deinen ersten Prototypen fertiggestellt hast, geht es im nächsten Schritt des Design Thinking Prozesses darum, ihn von Deinen Nutzern testen zu lassen. Denn wenn Du Deine Zielgruppe bei der Interaktion mit Deinem Prototypen beobachtest, vermeidest Du vor allem, ihn später in die falsche Richtung weiterzuentwickeln.
Mit den Learnings aus Deinen Tests bist Du also in der Lage, eventuelle Kurskorrekturen durchzuführen und das Feedback Deiner Testpersonen in der nächsten Iteration zu berücksichtigen.
Damit Du nichts Wichtiges vergisst, lohnt es sich, Deine Testsituation vorab ein wenig zu planen und Dir zu überlegen, wie der Test genau ablaufen wird, wer welche Rolle hat, wo der Test stattfindet und welche wichtigen Fragen Du auf jeden Fall stellen möchtest.
Mit dem Testing Sheet kannst Du Deine Prototypen-Tests planen, durchführen und dokumentieren.
Wann ist das Testing Sheet sinnvoll?
Wann immer Du einen Prototypen fertiggestellt hast, ist es extrem wertvoll, wenn Nutzer ihn direkt ausprobieren können. Denn nun kannst Du beobachten, wie er damit interagiert.
Du erkennst also, ob Dein Prototyp beispielsweise intuitiv bedienbar ist, welche Fragen sich Deine Testnutzer stellen, wo sie positiv überrascht sind, wo der Ablauf (noch) hakt usw.
Im Grunde funktioniert das gemeinsame Testen Deines Prototypen wie ein User Shadowing. Nur, dass Deine Testpersonen die gleiche Situation jetzt mit Deinem Prototypen erleben.
Aufbau des Testing Sheets
Der Aufbau des Testing Sheets ist ausgesprochen simpel. Aber lass Dich von seiner Einfachheit nicht täuschen! Gerade für Einsteiger und Anfänger ist es ein extrem nützliches und hilfreiches Werkzeug.
Kurze Beschreibung des Testszenarios
Beschreibe kurz Deinen Test. Wo findet er statt? Wer wird Deine Testperson sein? Wie wird der Test durchgeführt? Welche Materialien benötigst Du dazu?
Testkriterien
Hier musst Du die wichtigste Frage des Testing Sheets beantworten: Woran erkennst Du, dass Dein Test erfolgreich war? Muss dazu ein bestimmtes Ziel erreicht werden? Soll der Testnutzer Deinen Prototypen bewerten?
Ablauf
Beschreibe kurz den Ablauf Deines Tests! Was soll genau passieren?
Rollen
Wenn Du Dich bei Deinem Testdurchlauf von anderen unterstützen lässt, solltest Du hier notieren, wer welche Rolle während des Tests hat.
- Wer dokumentiert?
- Wer macht Fotos & Videos?
- Wer spricht mit der Testperson?
Fragen
Außerdem ist es sehr hilfreich, wenn Du auf Deinem Testing Sheet festhältst, welche Fragen Du Deinen Testpersonen auf jeden Fall stellen möchtest. Das ist besonders hilfreich, wenn Du gerade erst mit dem Design Thinking beginnst, weil man im Eifer des Gefechts schonmal schnell vergisst, wichtige Fragen zu stellen.
Testergebnisse
Das Testing Sheet dient Dir jedoch nicht nur zur Vorbereitung Deines Prototypen-Tests, sondern unterstützt Dich auch bei der Durchführung und Nachbereitung.
Dokumentation
Hier dokumentierst Du alles, was Dir bei Deinem Test aufgefallen ist:
- Welche Beobachtungen hast Du gemacht?
- Gab es spannende Zitate und Äußerungen Deiner Testpersonen?
- Welche Fragen hat sie während des Tests gestellt?
Falls Du während Deines Tests Fotos gemacht hast, fügst Du hier die wichtigsten Momente als Bild hinzu.
Learnings
Ganz zum Schluss notierst Du auf dem Testing Sheet, welche neuen Erkenntnisse und Learnings Du bei Deinem Prototypen-Test gemacht hast.
Darauf musst Du beim Einsatz des Testing Sheets achten
Auch wenn der Einsatz des Testing Sheets sehr einfach und intuitiv ist, möchte ich Dir noch ein paar Tipps für den ersten Einsatz mit auf den Weg geben.
Nutze die "natürliche Umgebung" Deines Users
Wenn es irgendwie möglich ist, sollte Dein Test in der Umgebung stattfinden, in der Dein Prototyp später auch angewendet wird. Das liefert Dir viel bessere Erkenntnisse, als wenn das Ganze unter "Laborbedingungen" stattfindet.
Definiere klare Testkriterien
Ich weiß, ich hab es oben bereits erwähnt, aber nur zur Sicherheit: Definiere klare Testkriterien. Denn nur so bist Du in der Lage, später auch gute Entscheidungen zu treffen.
Eine gute Möglichkeit, klare Testkriterien zu entwickeln, ist die Test Card von Alexander Osterwalder.

Plane genügend Zeit ein
Tests dauern immer länger, als Du ursprünglich geplant hast. Eine gute Daumenregel ist: Verdopple die Zeit, von der Du glaubst, dass Du sie brauchst. Wenn Du also meinst, dass in einer Stunde alles gelaufen ist, plane 2 Stunden ein.
Vergiss nicht, auch Zeit für die Dokumentation Deiner Beobachtungen und Ergebnisse einzuplanen. Das solltest Du immer direkt nach Deinem Test machen, weil dann Deine eigenen Erinnerungen noch frisch sind.
Dokumentiere sorgfältig
Apropos "dokumentieren". Halte Deine Beobachtungen, Erkenntnisse und Learnings immer schriftlich fest. Noch besser sind Fotos oder sogar Videoaufnahmen.
Nur so bist Du in der Lage, Deine Learnings auch später noch mal hervorzuholen und zu Rate zu ziehen.
Testing Sheet Template
Wenn Du das Testing Sheet nutzen willst, habe ich hier noch eine kleine Vorlage für Dich gebastelt, damit Du Dir kein eigenes Canvas entwerfen musst.
Weil Du das Testing Sheet in der Regel live und vor Ort ausfüllen musst, habe ich dieses Mal auch kein Miro-Template erstellt, sondern eine PDF, die Du auf jeden Fall ausdrucken solltest.
Kurz gesagt
Na klar, das Testing Sheet ist eine sehr einfache Methode und die Nutzung ist ein echter No-Brainer. Nichtsdestotrotz solltest Du die Nützlichkeit dieses simplen Canvas nicht unterschätzen. Denn in der Praxis bewahrt Dich das Testing Sheet vor allem davor, Kleinigkeiten und wichtige Details zu vergessen oder zu übersehen:
- Welche Fragen wollte ich nochmal stellen?
- Was hat der Testnutzer gesagt, als der Button nicht wie erwartet funktioniert hat?
- Wie lange hat es genau gedauert, bis er herausgefunden hat, wie er den Prototypen bedienen muss?
- Welche Learnings hatte ich vor zwei Wochen nochmal genau?
All das sind Dinge, die für die nächste Runde Deines Design Thinking Prozesses ungemein wertvoll sind, auch wenn es auf den ersten Blick nur Kleinigkeiten sind. Deshalb halte ich das Testing Sheet trotz bzw. gerade wegen seiner Einfachheit insbesondere für Einsteiger für extrem wertvoll und nützlich.



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