Prototypen spielen sowohl im Design Thinking als auch beim Lean Startup eine zentrale Rolle. Mit ihnen testest Du, ob ein Problem für Deine Zielgruppe wirklich existiert und ob Dein Prototyp tatsächlich in der Lage ist, dieses Problem auch zu lösen.
Damit Dein Prototyp diese Funktion aber auch wirklich erfüllt, ist es wichtig, dass Du ihn mit Menschen Deiner Zielgruppe testest. Denn nur so bist Du ja in der Lage, Deine Idee zu schärfen und im nächsten Durchlauf weiter zu verbessern.
Eine sehr einfache Methode, um das Feedback Deiner Nutzer aus solchen Tests einzufangen und zu organisieren, ist das Feedback Capture Grid. Es hilft Dir dabei herauszufinden, wie gut Deine erste Idee wirklich war und ob sie das Problem Deiner Zielgruppe löst.
Aufbau des Feedback Capture Grids
Das Feedback Capture Grid ist eine einfache 2x2 Matrix mit den vier Bereichen
- Mir gefällt
- Ich hätte mir gewünscht
- Ich frage mich
- Ideen

Du siehst, das Feedback Capture Grid ist wirklich kein Hexenwerk!
Falls Du Dich schon ein wenig mit Design Thinking Methoden auskennst, ist Dir vielleicht sogar aufgefallen, dass die ersten 3 Bereiche des Feedback Capture Grids mit I like, I wish, I wonder identisch sind.
Feld #1: Mir gefällt
In diesem Feld des Feedback Capture Grids hältst Du die Dinge fest, die Deine Testperson mag und die ihr gefallen. Was findet sie so bemerkenswert, dass sie es von alleine und ohne Nachfrage Deinerseits erwähnt?
Feld #2: Ich hätte mir gewünscht
Hier notierst Du alles, was Deine Testperson sich sonst noch so gewünscht hätte. Gibt es Dinge, die Dein Prototyp (noch) nicht so gut kann und die vielleicht sogar noch fehlen? Existiert vielleicht sogar noch ein echter Showstopper, der dazu führen könnte, dass Dein späteres Angebot komplett abgelehnt wird?
Feld #3: Ich frage mich
In das dritte Feld des Feedback Capture Grids schreibst Du alle Fragen auf, die Deine Testperson beim Ausprobieren Deines Prototypen stellt. Was ist ihr unklar und warum? Stellt sie vielleicht sogar weiterführende Fragen, die nach der Nutzung des Prototypen entstehen?
Feld #4: Ideen
Im letzten Feld hältst Du alle Ideen fest, die durch den Test Deines Prototypen aufgekommen sind. Das vierte Feld des Feedback Capture Grids dient also vor allem zur Nachbereitung Deines Prototypentests.
Falls Deine Testperson eigene Ideen einbringt, solltest Du vielmehr herausfinden, warum sie diese Idee einbringt. Welcher Job to Be Done steckt hinter dem Vorschlag? Was würde die Idee ermöglichen und warum ist das wichtig?
Darauf musst Du achten, wenn Du das Feedback Capture Grid nutzt
Auch wenn das Feedback Capture Grid extrem simpel aufgebaut ist, solltest Du auf ein paar wichtige Dinge achten, damit Dein Prototypentest auch wirklich gut funktioniert.
Bereite Dich vor
Natürlich kannst Du einfach spontan jemanden zum Testen Deines Prototypen einladen und loslegen. Wirklich hilfreich wird Dein Test aber nur dann, wenn Du Dir vorher wenigstens ein paar kurze Gedanken darüber machst, was Du eigentlich herausfinden möchtest. Wann würdest Du beispielsweise sagen, dass Dein Prototyp erfolgreich ist? Wer wird eingeladen und warum?

Zur Vorbereitung Deines Tests kannst Du auf das Testing Sheet zurückgreifen.
Gib Dich nicht mit den ersten Antworten zufrieden
Das erste Feedback oder spontane Fragen zu Deinem Prototypen ist mitunter nicht immer wirklich hilfreich. Gewöhne Dir deshalb an, tiefer zu graben und nachzuhaken. Dazu kannst Du zum Beispiel 5x Warum? fragen.
Gewöhne Dir an, nach den Jobs to Be Done (JTBD) Deiner Testperson zu fragen. Wenn sie Dir zum Beispiel sagt, dass Deinem Prototypen "Funktion X" fehle, dann frage sie, wobei ihr Funktion X helfen würde. Welche Aufgabe erfüllt diese Funktion? Und vor allem: Wie wird dieser JTBD aktuell gelöst?
Achte auf Emotionen
Konzentriere Dich nicht nur darauf, ob Dein Prototyp funktional ist, sondern auch, welche Emotionen Deine Testperson zeigt. Ist sie skeptisch? Aufgeregt? Wo entstehen Frustrationen oder sogar Ärger? Gibt es Momente der Freude oder der Überraschung?
Führe mehrere Tests durch
Gib Dich nicht mit einem einzigen Test zufrieden. Du wirst nur dann Muster erkennen, wenn Du wenigstens zwei bis drei Tests durchgeführt hast. Nur so kannst Du mit dem Feedback Capture Grid Gemeinsamkeiten aufdecken.
Außerdem solltest Du darüber nachdenken, Deinen Prototypen mit verschiedenen Zielgruppen zu testen. Es kann gut sein, das einer der Zielgruppen sehr viel positiver auf Deinen Prototypen reagiert als eine andere.
Teste, aber verkaufe nicht
Denk daran, dass ein Prototypentest kein Product Pitch ist. Es geht nicht darum, Dein Produkt an den Mann (oder die Frau) zu bringen, sondern darum zu lernen.
Falls es notwendig oder angebracht ist, solltest Du auch Deine Testperson darauf hinweisen, dass Du lernen und verstehen möchtest, und es Dir nicht darum geht, etwas zu verkaufen.
Stelle so wenig Fragen wir möglich
Gerade wenn Du erst mit dem Design Thinking beginnst, ist es verführerisch, Deiner Testperson vorab möglichst viele Informationen an die Hand zu geben. Stattdessen solltest Du ihr jedoch einfach Deinen Prototypen aushändigen und beobachten, was passiert.
Das bewahrt Dich davor, Deine Testperson zu "framen" und viele Erkenntnisse und Fragen, die potenziell auftauchen könnten, einfach zu "überschreiben". Ist sie in Lage, Deinen Prototypen intuitiv zu bedienen?
Kurz gesagt
Genauso wie das Testing Sheet ist das Feedback Capture Grid eine extrem simple Methode. Aber auch hier solltest Du Dich von der Einfachheit nicht täuschen lassen. Denn im Grunde ist das eine der größten Stärken der Methode.
Insbesondere wenn mal Du spontan einen Prototypen testest, kannst Du einfach eine 2x2 Matrix auf ein Whiteboard zeichnen und direkt damit beginnen, das Feedback Deiner Testperson mit Post-its festzuhalten.



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