Auch wenn Design Thinking sehr viel vom richtigen Mindset lebt, ist ein gut gefüllter Methodenkoffer in der Praxis nicht zu unterschätzen. Nicht jede Methode ist für jede Situation geeignet, und je mehr Methoden Du kennst (und ausprobierst), desto besser und zielgerichteter kannst Du sie für Deine Zwecke auswählen.

Deshalb öffne ich heute mal meinen Werkzeugkoffer und teile meine 31 Lieblingsmethoden aus dem Design Thinking mit Dir.

Design Thinking Methoden für die Phase "Kontext verstehen"

In der ersten Design Thinking Phase geht es zum einen darum, das Ziel Deines Design Thinking Prozesses besser zu verstehen und zum anderen möglichst viele Informationen zu gewinnen. Dazu kannst Du auf folgende Methoden zurückgreifen:

Methode #1: Design Challenge

Die Design Challenge ist eines der ersten Dinge, die Du festhalten solltest, bevor Du überhaupt mit dem Design Thinking Prozess beginnst. Sie ist von unschätzbarem Wert, um im weiteren Verlauf Deinen Fokus zu behalten. Wer ist Dein Nutzer? Welches Problem willst Du für ihn lösen? Und welches Ergebnis soll überhaupt herauskommen?

Wie Du mit der Design Challenge Deinen Fokus setzt
Eine Design Challenge hilft Dir dabei, Deine Forschungsfrage während des Design Thinking Prozesses nicht aus dem Blick zu verlieren.

Methode #2: Design Charrette

Nachdem Du Deine Design Challenge festgehalten hast, geht es im nächsten Schritt daran, Deine weitere Recherche zu planen. Wer sind potenzielle Nutzer? Welche Herausforderungen haben sie und in welchen Situationen treten diese auf?

Eine nützliche Design Thinking Methode, um Dir einen ersten Überblick zu verschaffen und Deine Nutzerrecherche zu planen, ist die sogenannte Design Charrette.

Design Charrette – So planst Du Deine Nutzerrecherche
Die Design Challenge ist fertig, aber wie geht’s weiter? Wie Du mit der Design Charrette in 3 Schritten Deine Nutzerrecherche planst.

Methode #3: Business Model Environment Map

Falls Du mit Design Thinking ein komplett neues Geschäftsfeld erkunden willst, kann es nicht schaden, Dir einen guten Überblick über Deinen Markt und Deine Branche zu verschaffen, bevor Du damit beginnst, Ideen zu entwickeln oder Kunden zu interviewen.

Auch hierzu gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, aber ich persönlich schwöre auf die Business Model Environment Map von Alexander Osterwalder.

Was ist die Business Model Environment Map?
Mit der Business Model Environment Map zoomst Du aus Deinem Business Model heraus und blickst über den Tellerrand auf Deinen Markt.

Methode #4: Customer Journey Map

Wenn es bei Deiner Design Challenge eher darum geht, die Interaktionen und Touchpoints Deiner Kunden mit Deinem Angebot zu verbessern, solltest Du einen Blick auf die Customer Journey Map werfen.

Als Grundlage und Informationsquelle für Deine Customer Journey Map kannst Du dabei sowohl auf die Job Map als auch die Empathy Map zurückgreifen. Beide bieten Dir ein großes Bündel an Erkenntnissen für die detaillierte Ausarbeitung Deiner Customer Journey Map.

So entwickelst Du eine Customer Journey Map
Wie Du mit der Customer Journey Map in die Fußstapfen Deiner Kunden schlüpfst und Dein Business aus ihrer Perspektive erlebst.

Methode #5: Buyer Utility Map

Streng genommen gehört die Buyer Utility Map eigentlich zur Blue-Ocean-Strategie. Es spricht jedoch nichts dagegen, diese Methode auch im Design Thinking anzuwenden.

Mit der Buyer Utility Map verschaffst Du Dir einen Überblick über potenzielle Geschäftsfelder, die aktuell von allen Wettbewerbern in Deinem Markt ignoriert werden. Für die spätere Entwicklung neuer Ideen und Prototypen kann die Buyer Utility Map deshalb von unschätzbarem Wert für Dich sein, weil sie Dir hilft, Blinde Flecken Deiner Branche zu entdecken.

Wie Du mit der Buyer Utility Map Blinde Flecken erkennst
Mit der Buyer Utility Map entdeckst Du Kundenprobleme, die Deine Branche ignoriert, um daraus ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln.

Design Thinking Methoden für die Phase "Menschen beobachten"

In der zweiten Design Thinking Phase steigst Du tiefer in die Lebenswelt Deiner Zielgruppe ein. Was bewegt sie? Wie sieht ihr Alltag aus? Was versuchen sie zu erreichen? Welche Herausforderungen und Probleme entstehen dabei? Welche Lösungen nutzen sie derzeit und was sind die Nachteile dieser Workarounds?

Methode #6: Design Thinking Interviews

Interviews gehören zum absoluten Standard im Design Thinking. Allerdings erfordern sie auch ein wenig Übung, damit Du den maximalen Nutzen aus dieser Methode ziehst. Wenn Du noch ganz am Anfang Deiner Design Thinker Karriere stehst, findest Du in diesem Blogbeitrag einen umfangreichen ersten Überblick, worauf Du achten solltest.

Die 5 wichtigsten Themen in Design Thinking Interviews
Gute Design Thinking Interviews decken fünf wichtige Themen ab. Lerne, worauf es ankommt und wie Du wertvolle Insights gewinnst.

Falls Dir das immer noch nicht reicht, wirf einen Blick in meine Rubrik Interviews. Dort findest Du alle Beiträge, die sich intensiv mit diesem Thema beschäftigen.

Methode #7: User Shadowing

So wichtig Interviews mit Deinen Kunden und Nutzern im Design Thinking auch sind: Manchmal kommst Du mit dieser Methode nicht weiter. Deshalb solltest Du überlegen, wie Du neben reinen Gesprächen auch kleine Feldstudien durchführen kannst, um Deine Zielgruppe in ihrem Alltag zu beobachten – beispielsweise mit Fly on the Wall oder A Day in the Life.

Mit User Shadowing in den Alltag Deiner Nutzer abtauchen
Beim User Shadowing begleitest Du Menschen Deiner Zielgruppe in ihrem Alltag und erhältst so tiefe Einblicke in ihre Lebenswelt.

Methode #8: AEIOU

Das AEIOU-Schema von Rick Robinson ist eine prima Ergänzung, wenn Du User Shadowings durchführst. Das Schema ist einfach aufgebaut, leicht zu merken und kommt zugegebenermaßen ein wenig unscheinbar daher. Das AEIOU-Schema ist aber von unschätzbarem Wert, um keine wichtigen Aspekte bei Deinen Feldstudien zu übersehen.

Wie Du mit AEIOU alles im Blick behältst
Mit dem AEIOU-Schema von Rick Robinson behältst Du beim User Shadowing den sicheren Überblick.

Methode #9: Social Listening (Netnographie)

Neben dem User Shadowing kannst Du natürlich auch Social Media Plattformen bzw. "das Internet" dazu nutzen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was Deine Zielgruppe so umtreibt. Beim Social Listening registrierst Du Dich auf passenden Social Media Plattformen, in Internetforen oder Facebook-Gruppen und liest aktiv mit, um herauszufinden, über welche Themen sich Deine Zielgruppe so unterhält.

Was ist Social Listening? Definition und Tools
Mit Social Listening verfolgen Sie die Erwähnungen Ihrer Marke im Web. Lesen Sie hier, worauf es beim Social Listening ankommt.

Manchmal wird Social Listening auch als Netnographie bezeichnet. Es gibt allerdings auch Menschen, die beides für unterschiedliche Methoden halten. Wobei die genaue Unterscheidung (meiner Meinung nach) extrem schwierig ist. Während Social Listening seinen Ursprung im Marketing hat, stammt der Begriff der Netnographie aus dem wissenschaftlichen Umfeld.

Design Thinking Methoden für die Phase "Sichtweise definieren"

In den ersten beiden Design Thinking Phasen kommen erfahrungsgemäß eine Menge Informationen zusammen, die Du in irgendeiner Form strukturieren, bündeln und organisieren musst, bevor Du Dich daran machst, Ideen für Prototypen zu entwickeln. Die folgenden Methoden können Dich hierbei unterstützen:

Methode #10: How-might-we-Frage

Eine simple, aber sehr effektive Design Thinking Methode für diese Phase ist die sogenannte How-might-we-Frage. Sie hilft Dir dabei, den Problemraum abzuschließen und gleichzeitig den Lösungsraum zu öffnen. Richtig eingesetzt, weckt die How-might-we-Frage den Entdeckergeist in Dir!

Meine 6 Tipps für bessere How-might-we-Fragen
Nicht jede How-might-we-Frage ist gleich gut. So findest Du die richtige Flughöhe und öffnest den Lösungsraum für Deine Ideenfindung.

Methode #11: Problem Statement

Das Problem Statement funktioniert ähnlich wie die How-might-we-Frage. Du kannst es auch sehr gut als Basis bzw. Vorarbeit für Letztere nutzen. Die Übergänge sind dabei allerdings fließend: Du kannst Dein Problem Statement auch als How-might-we-Frage formulieren.

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