In der Praxis kommt es relativ häufig vor, dass Objectives & Key Results nicht den gewünschten Effekt erzielen. Meistens liegt das daran, weil diese OKR nur eine lose Ansammlung von Zielen (oder sogar nur Aufgaben) sind. Man nimmt sich dann Dinge für das nächste Quartal vor, die "irgendwie wichtig" erscheinen und die man ja immer schonmal machen wollte.

Wenn Du so vorgehst, wirst Du mit Deinen Objectives nicht die gewünschte Wirkung erzielen. Und auch wenn es zugegebenermaßen nicht immer ganz so einfach ist, solltest Du stets versuchen, Objectives zu formulieren, die diesem Schicksal entgehen.

Damit es Dir ein wenig leichter fällt, Deine Objectives auf Herz und Nieren zu prüfen, teile ich in diesem Blogbeitrag meine vier ultimativen Testfragen mit Dir , die ich mir zu jedem meiner OKR stelle:

  1. Welches größere Ziel erreichst Du mit Deinem Objective?
  2. Auf welche Herausforderung gibst Du eine Antwort?
  3. Was ist Dein Leitprinzip?
  4. Welcher Vorteil entsteht für Dich?

Schauen wir uns diese vier Fragen noch ein wenig genauer an.

Frage #1: Welches größere Ziel erreichst Du mit Deinem Objective?

Ein gutes Objective sollte immer ein handlungsorientierter Hebel sein, ein strategisches Ziel zu erreichen. Mit der ersten Frage stellst Du also sicher, dass Dein Objective nicht einfach in der Luft hängt oder Du Dir von Quartal zu Quartal "einfach irgendwas" vornimmst, was Du momentan "irgendwie wichtig" findest.

Die größte Wirkung erzielst Du mit Deinen Objectives, wenn Du sie mit Hilfe eines strategischen Ziels in einen größeren Kontext einbettest. Ich persönlich empfehle Dir zu diesem Zweck sogenannte Moals (Midterm Goals), die Du ein ganzes Jahr lang verfolgst.

Was ist ein Moal?
“Moal” ist ein Kofferwort, das aus dem Begriff “Midterm Goal” entstanden ist und bei der Nutzung von OKR für ein klares Zielbild sorgt.

Frage #2: Auf welche Herausforderung gibst Du eine Antwort?

Eine gute Strategie besteht aber nicht nur darin, Dir Ziele und Objectives zu setzen. Vielmehr geht es darum, Deine größten Herausforderungen zu adressieren und zu erkennen, worin der beste Hebel liegt, sie zu überwinden.

Gute Objectives sind deshalb immer eine konkrete, handlungsorientierte Antwort auf eine Herausforderung, die Du damit überwinden willst. Im Kern funktioniert das Ganze wie folgt:

  1. Du hast ein größeres, strategisches Ziel (Moal), das Du erreichen möchtest.
  2. Du weißt, welche Herausforderungen und Probleme Dich davon abhalten, dieses Ziel zu erreichen.
  3. Du gibst mit Deinem Objective eine Antwort darauf, wie Du diese Herausforderungen adressierst, um Dein Ziel (trotzdem) zu erreichen.

Wie Du Deine Herausforderungen erkennst

Damit Du mit Deinen Objectives eine passende Antwort auf Deine Herausforderungen geben kannst, musst Du diese natürlich vorher klar identifiziert haben.

Dazu kannst Du auf eine Vielzahl hilfreicher Tools zurückgreifen, die Dich dabei unterstützen. Sehr nützlich sind beispielsweise das Strategy Canvas aus der Blue-Ocean Strategie oder die Business Model Environment Map von Alexander Osterwalder.

Frage #3: Was ist Dein Leitprinzip?

Bei der dritten Frage geht es darum, dass Deine Objectives einem gemeinsamen Leitprinzip folgen und es in die Umsetzung bringen. Wenn Du so möchtest, ist ein Objective also immer nur die konkrete Umsetzung eines grundlegenden Leitprinzips.

Besonders wichtig ist das dann, wenn Du Dir mehrere Objectives für ein Quartal setzt, damit diese nicht nur eine lose Ansammlung von Vorhaben sind. Aber auch für die Kontinuität über mehrere Quartale hinweg ist ein richtungsweisendes Leitprinzip außerordentlich hilfreich.

Frage #4: Welcher Vorteil entsteht für Dich?

Die vierte und letzte Frage unterstützt Dich dabei, den strategischen Aspekt Deiner Objectives nicht aus den Augen zu verlieren. Eine gute Strategie dient letzten Endes immer dazu, Dir gegenüber Deinen Wettbewerbern einen Vorteil zu verschaffen.

Für einen echten strategischen Vorteil muss Dein Business also anders als alle anderen sein. Und genau deshalb helfen Dir Best Practices und Copy-Paste-Ansätze nicht weiter. Denn letzten Endes führt dieses Vorgehen immer dazu, dass Dein Business für Kunden nicht mehr von dem Geschäftsmodell Deiner Wettbewerber zu unterscheiden ist.

Mit Copy & Paste entwickelst Du keinen USP
“Best Practice” klingen erstmal nach einem guten Plan. Bis Du merkst, dass Du mit Copy & Paste niemals einen USP entwickeln kannst – weil alle anderen genau das Gleiche tun wie Du.

Wie verteidigst Du Deinen strategischen Vorteil?

Außerdem musst Du Dir überlegen, wie Du Deinen strategischen Vorteil langfristig verteidigen willst. Denn es ist Dir ja nicht geholfen, wenn Du zwar einen Vorteil gegenüber Deinen Wettbewerbern hast, dieser aber leicht eliminiert werden kann. (Beispielsweise weil Deine Wettbewerber plötzlich anfangen, es genauso zu machen wie Du.)

Ein nützliches Werkzeug, um Dir über diesen Punkt Gedanken zu machen, ist die VRIO-Analyse.

Kurz gesagt

Gute Objectives sind mehr als eine lose Ansammlung von Quartalszielen, die Du Dir gesetzt hast, weil sie gerade irgendwie wichtig sind.

Vielmehr müssen sie Dir dabei helfen, Dein größeres strategisches Ziel zu erreichen, indem sie Deine größten Herausforderungen adressieren und dabei einem gemeinsamen Grundprinzip folgen, um Dir einen Vorteil gegenüber Deinen Wettbewerbern zu verschaffen.

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