Neben Interviews ist das Beobachten und Begleiten von Nutzern und Kunden fester Bestandteil eines jeden guten Design Thinking Prozesses. Beim sogenannten User Shadowing kommen aber oft so viele Informationen zusammen, dass es Dir manchmal schwerfallen kann, den Überblick zu behalten und nichts Wichtiges zu übersehen. Mit dem AEIOU-Schema von Rick E. Robinson behältst Du in jeder Situation den sicheren Überblick.
Was bedeutet AEIOU?
Das Akronym AEIOU steht für fünf verschiedene Bereiche, die bei der Beobachtung und Begleitung Deiner Zielgruppe besonders wichtig sind:
- Activities
- Environment
- Interactions
- Objects
- Users
Wann solltest Du die AEIOU-Methode einsetzen?
In der Regel wird die AEIOU-Methode zur Nachbereitung eines User Shadowings eingesetzt, um die dort gewonnenen Beobachtungen und Erkenntnisse zu organisieren und festzuhalten. So erhältst Du einen guten Überblick über alle wichtigen Informationen, die Du dann später mit weiteren Design Thinking Methoden tiefergehend erforschen oder auch in einer User Persona festhalten kannst.
Du kannst die AEIOU-Methode aber auch schon während des User Shadowings dazu nutzen, Dir Notizen zu machen, und Dich damit immer wieder daran erinnern, bestimmte Themenfelder nicht zu übersehen. Dazu kannst Du Dir zum Beispiel die Vorlage aus der Design Thinking Toolbox herunterladen.
Das AEIOU-Schema im Detail
Activities
Der erste Bereich der AEIOU-Methode steht für Aktivitäten und Handlungen, die Du während Deines User Shadowings beobachten kannst. Hier geht es um Fragen wie zum Beispiel:
- Was machen die von Dir beobachteten Personen?
- Welche Aufgaben oder Jobs to Be Done haben sie?
- Welche Ziele verfolgen sie damit?
- Gibt es feste Routinen oder sind die Aktionen eher spontan?
- Welche Objekte oder Tools werden dazu genutzt?
- Was passiert vor und nach einer Aktion?
- Welche Personen sind bei welcher Aktion beteiligt?
Environment
Beim zweiten Bereich der AEIOU-Methode geht es um die Umgebung, den Kontext und das Umfeld, in dem alles stattfindet. Fragen, die Du hier im Blick haben solltest, sind:
- In welchem Umfeld oder Kontext werden Aktivitäten und Interaktionen durchgeführt?
- Zu welcher Tageszeit finden die Interaktionen und Aktivitäten statt?
- Sind diese Orte fest mit einer bestimmten Aktion oder Interaktion verknüpft?
- Beschreibe die Räume und Umgebung! (Fertige gegebenenfalls eine Skizze an.)
- Welche Stimmung und Atmosphäre herrscht in dieser Umgebung?
- Ist es laut oder eher leise?
Interactions
Das dritte Themenfeld der AEIOU-Methode nimmt Interaktionen in den Blick. Hier geht es also beispielsweise um die Kommunikation zwischen mehreren Personen, aber auch um die Interaktion von Personen mit Objekten.
- Wie interagieren die beteiligten Personen?
- Welche bewussten und unbewussten Interaktionen finden statt?
- Welche Tools oder Objekte werden dazu genutzt?
- Wie sind Stimmung & Atmosphäre der Kommunikation?
- Ist die Interaktion informell oder eher formal?
- Gibt es feste Rituale oder Regeln, die eingehalten werden (müssen)?
- Sind Interaktionen spontan & neu oder eher wiederkehrend & routiniert?
Objects
Objekte sind das vierte Beobachtungsfeld im AEIOU-Schema. Sie stellen sozusagen die einzelnen Elemente dar, die gemeinsam das Umfeld (Environment) erzeugen.
- Welche Objekte oder Tools gibt es in der Umgebung?
- Welche Objekte oder Tools werden von Personen mitgebracht?
- Welche davon werden genutzt und welche nicht?
- Wozu werden sie verwendet?
- Wie gut erfüllen sie ihren Zweck? Wo entstehen Probleme?
- Werden Objekte zweckentfremdet und als Workaround genutzt?
- Welche Objekte erhalten die meiste Aufmerksamkeit?
Users
Nutzer sind alle Menschen, deren Verhalten Du beim User Shadowing beobachtest. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig nur um die Menschen handeln, die zu Deiner Zielgruppe gehören. Wenn Du zum Beispiel Kunden beim Einkauf beobachtest, wäre ein Kassierer oder Mitarbeiter ebenfalls ein User. (Auch wenn nur der Kunde zu Deiner Zielgruppe gehört.)
- Wer sind die beteiligten Personen und welche Rolle haben sie?
- Wie ist ihre Beziehung zueinander?
- Wer führt Aktionen oder Interaktionen aus und wer nicht?
- Wer fehlt?
- Wer ist die gesamte Zeit anwesend? Wer kommt später hinzu oder geht?
- Werden User aktiv hinzugeholt? Warum passiert das?
- Wer interagiert mit wem (und mit wem nicht)?
- Wer ist nah beieinander und wer weiter voneinander entfernt?
Beispiel zur AEIOU-Methode
Damit Du eine bessere Vorstellung davon bekommst, wie das Ergebnis am Ende aussehen kann, habe ich hier noch ein kleines Beispiel für Dich.
Forschungsfrage
Wie organisieren selbstständige Kreative ihren Arbeitsalltag?
Methode
Fly on the Wall in einem Coworking Space
Ergebnisse nach AEIOU-Schema
| Activities | Environment | Interactions | Objects | Users |
|---|---|---|---|---|
| E-Mails beantworten; an Projekten arbeiten; Telefonate führen; kurze Pausen machen | Co-Working-Space;tagsüber;offene Raumaufteilung;eher ruhig, aber mit Hintergrundgeräuschen | Kurze Smalltalk-Momente an der Kaffeemaschine, ansonsten kaum Austausch; Kopfhörer als Signal für "nicht stören" | Laptop; Notizbuch (kaum genutzt); Haftnotizen als spontaner Workaround; Kopfhörer; Kaffeebecher; Smartphone | 6 Personen, alles Sologründer; unterschiedliche Branchen; eine Person kommt erst später hinzu und sucht sichtlich einen ruhigeren Platz |
Tipps zum Einsatz
Nicht jeder Bereich des AEIOU-Schemas ist für jedes Thema immer gleich relevant. Je nach Forschungsfrage, die Du mit Deiner Beobachtung beantworten willst, haben einige Bereiche mehr Gewicht als andere.
Außerdem musst Du Dich natürlich nicht sklavisch an die oben aufgeführten Fragen zu jedem Punkt halten. Sie dienen vielmehr als Inspiration, damit Du eine Vorstellung davon bekommst, worum es sich bei den einzelnen Bereichen drehen sollte.


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