Seit gut einem halben Jahr nutze ich regelmäßig Tiny Experiments, um neue Dinge auszuprobieren, meiner Neugierde zu folgen und zu lernen. Da war es an der Zeit, meine 5 größten Learnings mit Dir zu teilen, die ich in den letzten sechs Monaten gemacht habe.

Tiny Experiments: Kurz & knapp

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Tiny Experiments ist eine Sammlung von Methoden von Anne-Laure Le Cunff zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung, die gänzlich auf Ziele und Pläne verzichtet. Im Vordergrund stehen das ziellose und ergebnisoffene Erforschen von Möglichkeiten und die eigene Neugierde.

Das Buch von Le Cunff ist bei den Business Book Awards 2026 als Business-Buch des Jahres ausgezeichnet worden.

Learning #1: Folge Deiner Neugierde!

Tiny Experiments dienen nicht dazu, Ziele zu verfolgen oder damit etwas zu erreichen. Im Kern geht es bei jedem Tiny Experiment lediglich darum, seiner eigenen Neugierde zu folgen und einfach zu schauen, was passiert.

In den letzten Monaten habe ich nun schon einige Tiny Experiments durchgeführt und gemerkt, dass diese Ergebnisoffenheit dazu führt, dass ich viel freier und aufgeschlossener an neue Themen herangehe.

Anfangs hatte ich damit schon so meine Schwierigkeiten, weil ich durch meine intensive Nutzung von Objectives & Key Results gewohnt war, alles, was ich tue, immer auf ein Ziel auszurichten: "Ich mache X, um A zu bewirken" oder "Ich unternehme Y, um B zu erreichen".

Statt mir aber immer schon vorher zu überlegen, wofür etwas "gut" sein könnte oder was ich damit bewirken will, probiere ich durch Tiny Experiments mittlerweile viele Dinge einfach aus und schaue erst hinterher, was passiert ist oder wofür es gut sein könnte.

Learning #2: Learning in Public

Zweitens ist mir durch Tiny Experiments noch einmal klarer geworden, wie hilfreich es für mich ist, meine Experimente öffentlich zu teilen.

Im Großen und Ganzen unterscheidet sich Learning in Public auch nicht von den Grundprinzipien aus dem Lean Startup oder Design Thinking. Aber Learning in Public erstreckt sich eben auch auf all die Dinge, die man sozusagen "ziellos" unternimmt.

Hier deckt sich meine Erfahrung übrigens stark mit dem, was ich durch Austin Kleons Show Your Work! gelernt habe. Auch hier geht es nämlich oft darum, sich nicht so viele Gedanken darüber zu machen, was dabei rauskommt oder was man damit erreichen möchte.

4 Dinge, die ich durch Show Your Work! gelernt habe
Wie Social Media wieder Spaß machen kann, wenn Du ein paar wenige Grundregeln beherzigst.

Learning #3: Tiny Experiments sind keine Gewohnheiten

Ein sehr wichtiges Element von Tiny Experiments ist auch die zeitliche Begrenzung eines PACTs. Ein PACT ist keine neue Gewohnheit, die man "ab sofort & für immer" durchziehen will, sondern eben nur ein zeitlich begrenztes Experiment.

In der Praxis hat sich diese zeitliche Begrenzung für mich als außerordentlich entspannend herausgestellt, weil ich immer weiß: "Okay, ich probiere das jetzt 5 Tage lang aus und schaue einfach, was passiert."

Ich weiß also immer schon vorher, dass mein Tiny Experiment auch bald wieder enden wird.

Na klar, auch eine Gewohnheit kann man prinzipiell jederzeit wieder beenden, wenn man merkt, dass es nicht passt, keinen Nutzen stiftet oder eben doch keine gute Idee war. Wer soll einen schon aufhalten? Aber je häufiger ich Tiny Experiments mache, desto mehr spüre ich, dass diese zeitliche Begrenzung schon bei den Vorüberlegungen dazu führt, dass ich viel entspannter an die ganze Sache herangehe.

Weil ich mir eben nicht vornehme: "Ab sofort werde ich für immer und für alle Tage jeden Tag 30 Minuten spazieren gehen", sondern nur: "Ich werde für 5 Tage 10 Minuten spazieren gehen."

Das macht einen großen Unterschied.

Learning #4: Mit Tiny Experiments kannst Du nur gewinnen

Viertens habe ich durch Tiny Experiments gelernt, dass auch die Experimente, die ich nicht fortgeführt habe, bereichernd waren. Manchmal sogar mehr als die, die ich beibehalten habe.

Dadurch, dass Tiny Experiments auch nicht abgebrochen oder beendet, sondern nur pausiert werden, wenn ich sie (vorerst) nicht fortsetzen möchte, ist in mir mittlerweile eine angenehme Gelassenheit entstanden. Im Vordergrund jedes Tiny Experiments steht immer: Hauptsache, was gelernt.

Hauptsache, was gelernt
Wieso Du Deine Tiny Experiments stets mit den Optionen Persevere, Pause & Pivot bewerten solltest.

Learning #5: Tiny Experiments und OKR schließen sich nicht gegenseitig aus

Die größte Schwierigkeit war für mich, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Tiny Experiments und OKR zu verstehen. Anfangs dachte ich, Tiny Experiments wären eine alternative Form von OKR Initiativen, weil auch bei Letzteren das Experimentieren sehr wichtig ist.

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Allerdings habe ich herausgefunden, dass Tiny Experiments und OKR Initiativen vollkommen unterschiedlich sind.

Denn bei OKR Initiativen geht es immer darum, herauszufinden, ob dadurch ein Key Result beeinflusst werden kann. Das ist zwar auch ein Experiment, aber hier steht vorher schon fest, was ein gutes und was ein schlechtes Ergebnis ist. Bei Tiny Experiments ist das nicht so, weil man sich über das Ergebnis gar keine Gedanken macht.

Ich würde beides jedoch nicht gegeneinander ausspielen oder sagen, dass das eine besser ist als das andere. Beides hat seine Berechtigung. Für die eigene Strategie sind messbare Ergebnisse in Form von Key Results ungemein wichtig und hilfreich. Herauszufinden, welche Initiative die gewünschte Wirkung erzeugt, ist der Kern jeder guten Strategie.

Tiny Experiments sind aber eine gute Ergänzung für Momente, in denen ich noch gar nicht weiß, wozu etwas gut sein könnte. Sie bieten mir den nötigen Raum, neue Möglichkeiten zu entdecken, an die ich bisher nicht gedacht habe.

Wenn Du so möchtest, spielen Tiny Experiments und Objectives & Key Results auf zwei vollkommen unterschiedlichen Spielfeldern.

Es kann auch immer wieder passieren, dass ich durch ein Tiny Experiment Dinge hinzulerne, die irgendwann später zu einem OKR werden. Und auch das ist ungemein bereichernd.

Probier's aus!

Für mich sind Tiny Experiments mittlerweile ein fester Bestandteil meiner Lernroutine geworden, mit denen ich Möglichkeiten erforsche, die im OKR Framework keinen Platz haben.

Und ich kann Dir nur ans Herz legen, die Methode von Le Cunff auszuprobieren! (Beispielsweise als Tiny Experiment. 😉)

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